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Marc Hype & Jim Dunloop: Stamp out Reality

Marc Hype & Jim Dunloop: Stamp out Reality

Wer schon mal das Vergnügen hatte, Marc Hype an den Turntables in einem Club rocken zu sehen, weiss, dass er DJ-Skillz, Digger-Knowledge und Leidenschaft in einer Person verbindet. Mit seinem Partner Jim Dunloop sorgt er seit einiger Zeit schon sehr für Aufsehen, wenn die beide ihr Konzept der Kreuzung ihre Fähigkeiten auf der Bühne präsentieren. Dunloop haut in die Tasten des „funky piano“ als hätte er nie etwas anderes gemacht als genau das mit den Cuts und Beats von Hype zu einer höchst unterhaltsamen Symbiose der Funkyness zusammen zuführen. Beide haben also den Rare Groove im Herzen und die drei Streifen der alten Schule immer noch auf den Schuhen. Bei solchen Konstellationen schreien ja viele gleich besorgt aus, dass man mit HipHop sehr vorsichtig umgehen muss, wenn man, wie diese stylischen Herren, jenseits der 30 ist. Aber vielleicht liegt ja genau darin der Clou, das Besondere dieser Platte. Die Komponente Jazz, die man ja gerne dem Erwachsensein zuordnet, bildet in Form von Dunloop’s Tastenfertigkeit und Musikverständnis ein ganz neue Basis für die B-Boy-Spielereien von Hype. Das Ergebnis ist eine hochwertige Schnittmenge an verschiedenen Stielausbuchtungen zwischen modernen, so genannten NuBreaks, altem und satt groovenden Funk, jazzy Arrangements und eine nicht zu verachtenden Soul-Faktor. Warum hier jetzt nicht HipHop explizit aufgelistet war, erklärt sich daraus, dass das alles soviel HipHop ist, wie sich aktuell jeder zweite Künstler zwischen Köln und Konstantinopel wünscht. Traditionsbewusst heißt hier jedoch nicht, dass man sich in einer weiteren belanglosen Retrospektive suhlt. Zwar hat man die Referenzen an die Old-School-Vergangenheit offenkundig gespottet in dem man fast vergessene B-Boy-Hymnen „The Mexican“ (Babe Ruth) oder 80s-Electrobretter „Al Naafiysh“ (Hasim) frisch auflegt, jedoch hat das alles einen ganz eigenen Charakter. Das liegt wohl auch in dem überlegten und detailverliebten Konzept, in dem sich die Live-Instrumente mit den Sample-basierten Strukturen sehr gut vertragen und somit aus „Stamp out Reality“ ein großes Album machen. Mit der Unterstützung von Blowfly, Mr. Complex, Flomega, Mr. Lif, B.Worrell, Malena Perez, Lady Daisey und Sara De Bourgeois bekommt der Soundteppich auch kongeniale Gesangs- bzw. Rapparts. „Oh Really“ und das bombastische „Wah Wah Wah“ sind zweifellos wahre Hits – ob du Backpack, Hipster, NuRaver, Old Schooler oder sonst was bist.

Peter Hagen

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