In Zeiten wie diesen, wo alle nach dem nächsten Timbaland-Synthie-Beat schreien und die tödlichste Chartserfolgsformel Timberland-Timberlake heisst, ist umso erstaunlicher dass es so Menschen wie Mark Ronson gibt – die sich hier getrost einen feuchten Scheiss darum kümmern was gerade hip ist.
So hat er bereits 2003 einfach mal Frank Farian’s Boney M.-Disco-Stampfer so offensichtlich auf ,,Ooh Wee” gesampelt und mit den Raps des Wutang-Clan-MC Ghostface gekoppelt, dass man es gar nicht mehr nicht schlecht finden konnte – nein, dieser Mann hatte keine Angst irgendwelche Schublanden zu überspringen bzw. schlichtweg zu ignorieren. Das ist auch ein Grund warum der gebürtige Engländer sich zu einem der beliebtesten Deejays des Big Apple entwickelte und bis heute ist. Seine unkonventionelle und sehr sympathischen Art Rock alla The Strokes oder White Stripes im selben Set mit HipHop von Biggie Smallz oder Outkast aufzulegen – war plötzlich der ,,Shit” in NYC auf den sich zumindest einige Clubbesitzer, Besucher und Prominente einigen konnte. Den Quantensprung zwischen Alternative-Rock, 60s Soul & Funk und HipHop führt ihn nach seinem gefeierten ,,Here comes the Fuzz” Debütalbum zu ,,Vision”. Einem Album, das seine persönliche Formel von POP 2007 zum Besten gibt. Hier benutzt er als Gerüst Coverversionen von The Smith, Radiohead, den Kaiserchiefs oder Coldplay. Hier reizt das Britney Spears-Cover ,,Toxic” alle Mauern nieder. Die organische, sehr rohe, sehr funky umgesetzte und dick aufgefahrene Version mit dem verblichenen Rapper ODB wirken frisch wie Morgentau. Die weiteren Neuinterpretationen mit freundlicher Hilfe von Lily Allen, Robbie Williams, Phantom Planet, natürlich Busenfreundin Amy Winehouse und den Electrorockern von Kasabian. Die eigentliche Faszination geht von Ronsons Gespür für die vielen, vielen Elemente aus, die er in das Groove-Geflecht einbaut. Da hört man Motown, Dixie-Jazz, 80s-Anleihen, HipHop-Beats und 90s Britpop. Während New York immer noch darauf wartet, dass jemand HipHop wieder zurück zur Geburtsstätte bringt erfindet und verzaubert hier jemand erquickend den POP neu und so gut, dass man gerne auf repeat schaltet.
Peter Hagen (Jazzriots)