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Marsimoto: Zu Zweit Allein

Marsimoto: Zu Zweit Allein

Eines der größten Probleme die HipHop hat, ist dass es von jenen, die sich damit nicht auseinandersetzen, auf die Merkmale Gangstertum, Sexismus, Drogen u. Gewaltverherrlichung reduziert wird. Da ist wohl der wichtigste Ansatzpunkt, wenn man reflektieren möchte, warum HipHop eigentlich wenig Reputation in der Öffentlichkeit hat. Der Vielfalt innerhalb der RAPublik ist sich dadurch niemand bewusst und wird dem entsprechend ignoriert. Deutschsprachiger Rap hatte in seiner kurzen Hochphase Ende der 90er Jahre Erfolg und war mit Vielfalt gesegnet – viele würde heute noch behaupten er hatte zumindest für diese Zeit eine höhere Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit, eine positiveres Image. Nun, 2008, haben scheint sich Rap mal wieder selbst in eine Sackgasse gefahren zu haben. Gangster-Rap made in Germany war gerade durch Bushido und Konsorten noch nie so erfolgreich und HipHop aus deutschen Landen nie so monoton und unkreativ. Alles zu spät? Nein, es gibt immer noch ganz interessante Künstler die Kreativität groß schreiben und sich gegen eingefahrene Muster, die scheinbar Erfolg versprechen, wehren. Marsimoto, der alter Ego Materias, gehört zu ihnen. Analog zu den USA, braucht man oft Querulanten wie Madlib oder Mos Def, die HipHop einen Spiegel vorhalten und dadurch beeinflussen. So ist Marsimoto der verkiffte Till Eulenspiegel der Szene, der lieber humoristisch jedes Tabuthema mit Leichtigkeit verpackt. Schön ist es mal wieder einen MC zu hören, der sich nicht dem Sog der Ghettoromantik hergibt, sondern eine Alternative bietet und mit dieser Aufgabe über sich hinaus wächst. So sind Tracks wie „Keine Isst“ oder „Modern Stalking“ keine plakative Referenzen an Rödelheim Hartreim Projekt und Dieter Bohlen, sondern verdammt geniale gesellschaftskritische Reflektionen. Die futurische Sounds mit Hang zu Elektro und dicker Bassline, völlig abgefahren Phantasiewelten („Insel der Legenden“!!!) und einen hochtalentierten Rapper, der es verdammt noch mal verdient hat, Beachtung zu bekommen. Mit heliumgeschwängerte Stimme schafft es Marsimoto immer wieder den Hörer mit seinen Geschichten zu beeindrucken, die oft mit einem harten Sarkasmus den Nagel mehr als auf den Kopf treffen. Bei Songs wie „Tamara“ geht offen und eben auf seine Art mit Themen wie gekaufte Liebe und abgrundtiefe Perversion ein. „Reich und hässlich“ spricht er Dinge an, die eben nicht in der Phantasiewelt sondern in der Realität immer mehr stattfinden. Seine krassen Wortspiele sind immer Kritik an Materialismus, Selbstüberschätzung und Stereotypen – die wir alle auch kennen. Im Gegensatz zu Marsimotos Vorgängerscheibe steigert er sich hier um 300% und zeigt zu was der Mann alles in der Lage ist. Vielleicht eine der wichtigsten HipHop-Platten der letztenJahre und vielleicht doch nicht zu spät.

Peter Hagen

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