Wer aus der Ecke Michigan kommt, wird zuerst einmal in die Ecke des frei agierenden und komplette autark pumpenden Detroit-HipHop gestellt. Das ist bei Mayer Hawthorne nicht so. Wer auf dem kalifornischen Label Stones Throw Records unterkommt hatte meistens was mit No-Mainstream-HipHop am Hut und hatte die Option von der Backpacker bzw. Indie-Rap-Anhängerschaft in kürzester Zeit verehrt zu werden.
Mayer Hawthorne könnte es wohl als erste Soul-Crooner schaffen, von genau dieser Gemeinde auch anerkannt zu werden, obwohl er nur im erweiterten Sinne HipHop ist bzw. damit zu tun hat. Hawthorne ist auch ein ganz anderer Künstler wie die die bisher bei Stone Throw gesignt wurden. Spricht er doch mit seiner Musik und seinem Verständnis von Melodien und Gesang das Publikum an, dass sich an dem Retro-Vibe um Duffy, Amy Winehouse und Konsorten weltweit begeistern. Hawthorne geht aber tiefer. Analog zu der Rückkehr der authentischen Soul-Scheiben und der Renaissance des schweißtreibenden, grundehrlichen Rhythm’n’Blues eines Lee Fields oder Al Green muß sich dieser bisher gänzlich unbekannte Jüngling nicht verstecken. Er baut auf das gleiche Prinzip wie seine alters u.- erfahrungsmäßig überlegene Kollegen, nur dass er eine ganz frische, stylische Prise Unbekümmertheit und Eigenständigkeit mit einbringt.
Der Hawthorne-Faktor ist also die Auffrischung des Soul aus der Zeit zwischen 1966 und 1974. Der Junge weißt was Motown-Eingängigkeit ist und wie die Melodien gestreichelt werden müssen – wie er imponierend auf „Your esay lovin’ ain’t pleasin’ nothin’“ oder auf „Make her Mine“ zeigt. Das alles hat Labelchef und Musikkenner Peanut Butter Wolf so beeindruckt, dass er beim Hörer des Demotapes nicht einordnen konnte ob es sich um uralte Detroit-Soul-Scheiben oder um Re-Edits klassischer Aufnahmen handelte. Das Resultat auf Albumlänge hinterlässt beim hören den gleichen Eindruck. Das belebt jemand durchaus die Vergangenheit von Motor City und weißt erstaunliches Gespür für die Musik vergangener Zeiten auf. Der Track „The Ills“ ist eine der schönsten Huldigungen Curtis Mayfields der letzten Jahre – wenn man mal die großartigen Interpretationen des Finnen Tuoma außen vor lässt. Und vielleicht hat Mayer ja hier und da zuviel Issak Hayes gehört, wenn man „Shiny & New“ lauscht. Übel nehmen kann man ihm aber die teilweise ganz direkte Anlehnung an den Shaft-Meister keine Sekunde. Diese ganze Rückbesinnung auf die alten Soulhochzeiten machen auch auf Albumlänge Sinn und die Konsequenz mit der der 29jährige Sänger hier seinen Style durchzieht ist mehr als zu empfehlen. Das ist alles sehr pur und direkt und wer die Musik von Smokey Robinson mag, liegt hier richtig. Hawthorne bleibt deshalb so eigenständig weil er erst gar nicht versucht Pop-affinen und chartsstürmenden Soulinterpretationen wie Duffy & Co. nach zu eifern. Genau das macht „A strange arragnement“ so gut. Das Video zu „Maybe So, Maybe No“ unterstreichen das deutlich und unterstreichen die Sympathie für diesen Rookie.
Peter Hagen