Michael Rauhut, Reinhard Lorenz (Hg.):
„Ich hab den Blues schon etwas länger. Spuren einer Musik in Deutschland“
Ch. Links Verlag, Berlin, 2008, ISBN 978-3-86153-495-2
Es liegt schwer in den Händen, mit seinen 17 x 24 cm und einem Gewicht von 845 g. Es entspannt die Augen mit seinen 239 Abbildungen und der gut lesbaren Schrift auf 424 Seiten. Es ist ein gewichtiges Stück Musikgeschichte: Das ist das aktuelle Buch über den Blues in Deutschland, die vereinte Kompetenz von Michael Rauhut und Reinhard Lorenz, ein auch inhaltlich imposantes Werk, das sich ganz der wunderbaren Vielfalt der Blues-Welt widmet.
Der Titel „Ich hab den Blues schon etwas länger“ ist einem Text von Blues-Kenner Manfred Miller entlehnt und der Untertitel „Spuren einer Musik in Deutschland“ verdeutlicht den Anspruch des Buches. „Ein Ton, tausend Seelenschwingungen“ lautet das Motto der Spurensuche, an deren Ende „ein Gegenentwurf zur Kurzatmigkeit der Moderne“ gefunden werden kann. Und das mitten in Deutschland, ohne Schema, aber mit ganz viel Leben.
Die beiden Herausgeber sind wahrlich keine unbeschriebenen Blätter: Musikwissenschaftler Dr. Michael Rauhut (Jahrgang 1963) ist bekannt durch zahlreiche Publikationen, darunter „Rock in der DDR“ oder „Bye bye, Lübben City“, und seit kurzem Professor für populäre Musik an der University of Agder in Kristiansand, Norwegen. Theaterwissenschaftler Reinhard Lorenz (Jahrgang 1952) ist u. a. Gründer des Internationalen Jazzarchivs Eisenach und Initiator der Lippmann+Rau-Stiftung für Musikforschung und Kunst.
Nach einem persönlichen, fast lyrischen Geleitwort von Wim Wenders folgen sieben große Kapitel, die nach Blues-Songs über Wochentage benannt sind, also von „They Call It Stormy Monday“ bis „Sunday I Go To Church“. Jedes Kapitel umfasst sieben bis acht einzelne Artikel von verschiedenen hochkarätigen Autoren, welche sich mit regionalen oder historischen Schwerpunkten der Bluesmusik auseinandersetzen. Es sind Insider, Publizisten und Experten, die hier ein tiefes, farbenprächtiges Bild zeichnen und den Diskurs prägen.
Unter den Autoren sind Namen, die über die Grenzen des Blues hinaus bekannt sind, etwa Eric Burdon, Klaus Doldinger, Siegfried Schmidt-Joos, Günter Amendt, Peter Rüchel, Peter Maffay, Götz Alsmann oder Pete York. Es gibt kurze Statements und medientheoretische Abhandlungen genauso wie ausführliche Portraits von Inga Rumpf, Abi Wallenstein, Christian Rannenberg, Joy Fleming und Louisiana Red. Keine Klischees, kein Geschwafel.
Alle Texte bieten neben akribisch recherchierten und exzellent formulierten Informationen vor allem das, was den Blues auszeichnet: Ganz viel Gefühl. Man spürt den Atem der Geschichte, den Schweiß der Legenden und besonders den Zauber der Musik – begleitet von tollen, stimmungsvollen Fotos von Menschen und Orten oder auch Originaldokumenten.
Das Buch endet mit detaillierten Verzeichnissen über Autoren, Quellen und Personen.
Als Leser kann man sich mit diesem großartigen Buch eine intensive Blues-Woche gönnen, indem man an jedem Wochentag das entsprechende Kapitel liest und je nach eigener Tonträgersammlung die passende Musik dazu auflegt. Danach wird es gute Dienste als schier unerschöpfliches Nachschlagewerk leisten können. Danach wird man selbst gerne den Blues haben, egal ob man nun Wissenschaftler, Musiker oder Plattensammler ist. Großes Buch!
Regina Sommerfeld
Blues der Ursprung, mein ständiger Begleiter in Höhen und Tiefen zu fassen. Ebenso viele Bücher von M.Rauhut. Geschichten die das Leben schreibt, mit Noten ummantelt, auf Schritt und Fuß hautnah.
Wir schrieben das Jahr 2000. Der Blues schlug eben die hohen Töne an, da wurde mir aus noch warmer Hand-welch glückliche Fügung-ein Buch von ihm persönlich übergeben.
Der Blues der letzten Gelegenheit?
Heut nach 10 Jahren glaub ich an ein come back. Why not?
Kommentar gleichzusetzten mit Kommunikation – bitte weiter geben!