Das Attribut „Sophisticated“ gebührt aktuell nur wenigen Künstlern. Hinter dem Projekt „Milez Benjiman“
stehen kosmopolitische Kämpfer, die auf Konventionen schlicht nichts geben – weil sie einen dicken, musikalischen Background haben. Dieser besteht hier hörbar aus Erfahrung, (Music)-Knowledge, Gefühl und Talent. Raffiniert und visionär wurde hier ein Hybridenmonster ins Rennen geschickt, der die Mixtur der Westlondon-Broken Beat Schule um IG Culture oder den Bugz in the Attic auf das nächste Level schiebt – mit einer extra ausgeprägten Ambition modernen FUNK wieder dicker auf die Tanzfläche zu schieben.
Hier haben sich der britische Soulsänger Colonel Red und die Produzenten Gerd-Jan Bij und Paulo Delgado von 4 Lux Records gesucht und gefunden. Bereits 2004 hatte diese zwei umtriebige Holländer eine mittelschwere Untergrund-Eruption mit den Singles „Boogie Bridge“ und „It’s gonna be alright“, der sie zwar in den inneren Zirkel des Eklekizismus spühlte, aber, wie so oft bei hochwertigen Broken Beats / Future Funk-Releases, die breite Öffentlichkeit, neben einem elitären Kreis an Liebhabern, nichts davon mitbekommen hatte. Das könnte sich mit „Feel Glorious“ jetzt schlagartig ändern, weil sie hier einen ultra-ausgereiften Entwurf der Soul Music 2000 vorlegen.
Mit den üblichen Machenschaften des HipHop-Gewerbes haben sie ebenso wenig am Hut wie mit den Formeln, die in den üblichen Strudel von tanzbaren Beats führen, die zwischen den oft uninspirierten Timberland-Plagiaten der Charts stattfinden. Die einzige Verbindung zum augenblicklichen Output des Überproduzenten Timothy Mosley besteht in der Kombination von Electronica, HipHop und R’n’B, die hier verarbeitet wird.
Ihr „Sonic sounding stomp of cyborg funk“ verführt durch die Sexyness seiner eleganten Art, den Groove aus einem kreativen Kosmos des Erbes George Clintons und Jay Dee zu schöpfen, natürlich mit der ganz massiven Individualität. Ähnlich wie Plant Life atmet hier alles Funk der Ära Prince. Der entscheidene Unterschied macht ihr Gespür, alle sehr liebvoll zum Detail futuristisch zu verpacken. Knackig und kompromisslos wird hier FUNK groß geschrieben und in wabbernde Monsterbasslines („Chop that wood“) einflochten, wie man es in der Tat lange nicht mehr gehört hat.
„Feel Glorious“ ist das Album was man von den allseits gehypten Sa-Ra Creative Partners erwartet, aber nie 100% bekommen hat. An der Substanz dieses frischen Dreiers ist kein Zweifel. Das ist definitiv ein Anwärter auf das Album des Jahres.
Peter Hagen