bookmarken bei: Delicious Wong_star08 Stumbleupon

Mono & Nikitaman: Außer Kontrolle

Review:

Wer den Sommer 2007 nicht ganz ohne Radio, Clubs und TV verbracht hat, weiß, dass Reggae-lastige Pop/ Hip-Hop-Kombinationen mit deutschen Texten in den Charts angekommen sind und sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Culcha Can dela weit voraus. Auf dem Weg, den einst Künstler wie Jan Delay, DFlame und Seeed ebneten, sind mittlerweile mehr Künstler unterwegs. Was vor Jahren noch unvorstellbar klang, ist heute ein Teil der Popkultur und im Mainstream angekommen. Wie bei jeder Subkultur, die nach oben schwappt, gibt es hier auch Veröffentlichungen, über deren Qualität diskutiert werden kann und muss. Die positivsten Erscheinungen dieses Hypes sind wohl vor allem der allseits beliebte Nosliw und das Duo Mono & Nikitaman. Sie dokumentieren die augenblickliche Leichtigkeit des Seins des Genres. Ihr ganzes Auftreten, die energiegeladene Live-Präsenz und die Texte mit Inhalt. Gerade bei den Lyrics schlagen sie eine Brücke nach der anderen in den Alltag und seine Peinlichkeiten, Probleme und Spießrutenläufe („Kann ja mal passieren“). Hier liegt die Stärke des flotten Reggae- Zweiers, deren Wurzeln zwischen Österreich, den Niederlanden und Düsseldorf liegen. Die humoristischen Einlagen allein machen diese zwei Aktivisten nicht nur sympathisch – tatsächlich beweisen sie ein Gespür für die Balance zwischen Spaßkultur und Conscious-Attitüde. Dabei behalten sie sich die Romantik vor, ihre eigene Welt zu bauen und diese auch zu beschreiben („Hol’s dir“). Manchmal schweift das Ganze auch unpeinlich und unterhaltsam in eine träumerische Dimension („Das alles“) mit einer nicht zu überhörenden Affinität zum linken, fast anarchistischen Achtzigerjahre-Gedankengut von Ton Steine Scherben. Die wirklich gelungenen Kooperationen mit dem gleichgesinnten Kollegen Nosliw und der österreichisch-russischen Balkan-Ska-Kombo bringen noch mal frischen, abwechslungsreichen Wind rein. Intensive Singer/ Songwriter-Einlagen wie „Yeah“ sind so weit weg von Hip-Hop wie Energie Cottbus von der deutschen Fußballmeisterschaft, jedoch haben die beiden Freiheitskämpfer hier den Mut, anders zu sein, was ja bekanntlich dem zeitgenössischen Hip-Hop oft fehlt. Das Duo atmet und lebt das Wyclef-Jean-Gen und hat durchaus Weltmusik-Anspruch. Ausgangspunkt ist natürlich immer Reggae. Geflirtet wird mit Pop, Hip-Hop, Ska, Dub, Balkan-Beats und Russen-Disko. Über all diesen Dingen schwebt der ursprüngliche One-Love-Gedanke, den Bob Marley und seine Wailers vor dreißig Jahren um die Welt trug. Wie ein roter Faden zieht sich der positive Vibe durch 16 Tracks eines bunten und lebhaften Longplayers , auf dem man die musikalische Grundlage von „Hit The Road Jack“ (Ray Charles) für die Hitsingle „Schlag Alarm“ wirklich nicht gebraucht hätte. Also Leute, läutet den Sommer ein!

Peter Hagen

F69665f9b3f8a90a663435687f1454db_normal
Interpret:
Mono & Nikitaman
Label:
Rootdown
Stil:
Hip Hop Reggae Pop Ragga

Als Vinyl kaufen



Community


3 Kommentare

"Manchmal schweift das Ganze auch unpeinlich und unterhaltsam in eine träumerische Dimension („Das alles“) mit einer nicht zu überhörenden Affinität zum linken, fast anarchistischen Achtzigerjahre-Gedankengut von Ton Steine Scherben."

Der Punkt der mir an Mono & Nikitaman immer am besten gefiel, und leider mit jedem Album mehr und mehr verloren ging. Die überhand nehmenden "Alltagstexte" und Partylieder können wahrscheinlich mehr Leute nachempfinden als die politischen und ideologischen Texte, aber mir persönlich hat das das Interesse und die Begeisterung an M&N genommen.

Die Live-Shows sind nach wie vor super, keine Frage. Wenn M&N auftreten kriegt man immer seinen Spaß und kann Feiern. Aber zu Hause aufdrehen und mitsingen macht lange nicht soviel Spaß, wenn es nur um alltägliche Kleinigkeiten geht.

Ich find's schade dass M&N, Nosliw, Culcha Candela, und Seeed ihre Sachen so glatt gebügelt haben, und hör heute lieber "die Alten Sachen", wie man so gerne sagt. Ich kann natürlich verstehen wenn jemand sagt "Leute, wir sind 30, wir müssen Geld verdienen", so wie Seeed das ganz offen getan haben, und es ist toll wenn man das mit etwas tun kann das man liebt, z.B. der Musik. Aber für mich als Hörer und Fan fehlt da einfach etwas ganz entscheidendes.

Nur meine persönliche Meinung.

 
Comment_arrow

von alohastone
vor 745 Tagen

Mir ist das auch oft zu sehr trallallla obwohl ich finde, dass diese Gruppe großes Potential hat. Aber "die alten Sachen" höre ich auch lieber...man hat ja die freie Wahl, nich wahr?!

 
Comment_arrow

von Susi
vor 744 Tagen

Jaaa, man kann sich ja zum Glück aussuchen was man hört :)
Und dafür dass es "die alten Sachen" gibt kann man ja dankbar sein, und die Fahne für die Künstler weiterhin hochhalten. Hat ja auch was sehr schönes, wenn man nach langer Zeit mal wieder die New Dubby Conquerors, Loktown Hi-Life, etc. auflegt. Und was M&N angeht entschädigt das Konzert auf dem Summerjam nach dem Release der ersten Platte für mindestens drei "schlechte" Releases, viele Partylieder-Mitsingende Kids, und meinetwegen auch für nen Jamba-Klingelton ;)

 
Comment_arrow

von alohastone
vor 738 Tagen

Dein Kommentar:

Comment_arrow

Hallo,
Sag uns Deine Meinung!

Bist Du bei 1beat.de Registriert? Klick hier um Dich , oder erstelle einen