Nas & Damian "Jr.Gong" Marley: Distant Relatives
Review:
Als es einst um die Krone des King of NY ging und sich Jigga und Nas eines der legendärsten Battles der HipHop-Geschichte gelieferten (man denke nur an das unerreichte „Ether“) hieß es aus vielen Ecken Nas hätte zwar die Schlacht gegen Jay-Z gewonnen, dieser jedoch den ganzen Krieg. Hinter dieser Aussage liegt der Fakt verborgen, dass Nas, der wohl begnadetste Lyricist seit Rakim, zwar bei weitem der besser Rapper ist, Jay jedoch die größeren Alben, teilweise sogar in epischer Dimension („Blueprint“), abgeliefert hat und als Künstler in mutigeren und größeren Kategorien („The Black Album“) agierte als sein inzwischen wieder geschätzter Kollege aus Queensbridge. Bei allem Respekt vor dem Jahrhundertwerk „Illmatic“, aber das ist die Wahrheit die auch Die-Hard-Nas-Fans akzeptieren. Nas’ Meisterstück ist nun 16 Jahre alt und seine Anhänger haben ihm allerhand Ausrutscher und merkwürdige Aktionen verziehen, jedoch hat niemand die Hoffnung aufgegeben, dass er noch mal sein unerschöpfliches Talent und seine überragenden Fähigkeiten als Rapkünstlern bündelt und ein Überalbum abliefert. So kann man inzwischen die Gerüchte über ein gemeinsames Album mit Premo getrost ins Land der Fabeln, Verschwörungstheorien und einer nostalgischen, von Weed vernebelten Eastcoast-Romantik zuweisen. Die Erwartungen waren deshalb nicht unbedingt riesig, als man von einer Albumkollaboration zwischen ihm und dem Marleysohn Damian „Jr.Gong“ hörte. Auf dessen unbestreitbare grandiosen Album „Welcome to Jamrock“ war Nas schon mal als Gast auf dem Track „Road to Zion“ zu hören und aus einer gemeinsamen, guten Chemie wurde auf „Distant Relatives“ richtige Magie. Aus einer kleinen Studiosession wuchs der Wunsch nach einer ausführlicheren Zusammenarbeit und so entstand ein Album, dass dem großen Anspruch ein Reggae-HipHop-Hybrid zu werden, vollkommen gerecht wird und vielleicht sogar mehr Leute aus den verschiedenen Lagern zusammenführt bzw. etwas offener macht. Relativ autark sind die Produktionen von Nas, Damian, seinem Bruder Stephen, Afry und 9th Wonder geworden und wollen bewusst kein hundertster Aufguss des Sean-Paul-Dancehall-Clubfiebers sein. Als Gäste hat man sich K’naan, Joss Stone, Lil Wayne und Dennis Brown ins Boot geholt, was aber nebensächlich ist, weil die charismatische Darbietung der beiden Hauptprotagonisten sowieso nur leichte Ergänzungen zulässt. Mit „As we enter“ landen sie einen brachialen Sureshot der über den Sommer hinaus überall rotieren wird. Mutmacher wie „Strong will continue“ spiegeln den allgemeinen Positivity-Basiston der Platte. Ruhigere Töne werden nicht ausgeschlossen („Friends“) und präsentieren ein ins sich kohärentes Werk, dass jetzt schon in den Jahreslisten völlig zu Recht an oberster Stelle geführt werden darf. Hier würde ich gerne Blumentopf aus München bemühen mit dem schönen Zitat: „Das ist ein Highlight, schön dass ihr dabei seid“. Modifiziert ist das ja ein großer Appell eines kleinen Schreibers und bedeutet eigentlich nur „kaufen – nicht brennen“. Must have.
Peter Hagen
- Interpret:
- Nas & Damian "Jr.Gong" Marley
- Label:
- Def Jam / Tuff Gong
- Stil:
- Hip Hop Reggae Roots-Reggae Ragga







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