Wie ein englischer Schreiberling treffend schon vor fünf Jahren feststellte, hören sich viele Reggaekünstler sehr ähnlich an, wie ihre Vorbilder. Letztlich ist jedoch jeder von Bob Marley, Peter Tosh, Luciano oder Burning Spears in irgendeiner weise inspiriert – weil sie die Kulturikonen sind. Peinlich wird es doch erst, wenn man diese Genregrößen imitiert und kein eigenes Talent hineinlegt. Natty King hatte diese Problem auch schon bekämpfen müssen. Musste er sich doch genau das schon vor Jahren vorwerfen lassen. In der Tat ist und bleibt sein Singsang denen der Großen ähnlich, gleicht ihnen jedoch nicht. Das beweist sein neuer Longplayer „Born to be free“.
Wie der Titel schon verrät, handelt es sich hier um klassischen Roots-Reggae mit der Conscious-Attitüde und dem leichtfüssigen, zurückgelegten Sound. Für diesen waren um ein weiteres Mal die Könner aus dem inzwischen schon legendären House of Riddim-Studio verantwortlich. Mit dem eindrucksvollen „No Guns to town“ konnte Natty King bereits vor fünf Jahren die friedvolle Botschaft unter die Reggaegemeinde zwischen Jamaika, London und Wien blasen. Wie es für die klassischen und traditionsverbundenen Rasta gehört, macht er hier auch nicht vor dogmatischer Psalmenwedlerei wie „You don’t have to steal“ oder Apokalyptik wie „Judgement“ nicht halt. Die Schöpfung liegt in der Rastafari-Religion den Menschen am Herzen und auch dieser Thematik widmet der Sänger einige Songs. Die Hymnen auf die heilende Kräuter gegen den Weltschmerz werden natürlich auch gebührend hier geschmettert („Real Herbalist“).
Insgesamt ein mehr als klassisches Reggaealbum, das alles hat was der Reggaefan an sich braucht. Auf 16 Liedern gibt es spirituelle und sozialkritische Texte. Natty King sollte man sich merken.
Peter Hagen