Welch künstlerisches Eigenleben losgelöst vom Primärmedium Bild gut gemachte Filmmusik zeitweise entwickelt, ist ja nicht nur seit Zeiten der Spaghettiwestern (mit der Musik von Enrico Morricone) evident. In den Ruhmeshallen des Zelluloid weilen Henri Mancini („Frühstück bei Tiffany“, „Pink Panther“) ebenso wie Martin Böttcher („Winnetou“), Lalo Schiffrin
(„Mission: Impossible“ „Dirty Harry“) neben Hans Zimmer („Gladiator“, „The Last Samurai“). Unterschiedlicher können Künstler, deren Vorgehensweisen und Ergebnisse kaum sein. Das Team Nick Cave und Warren Ellis steht sicherlich nicht für ausgelassene Lebensfreude, so ist es auch wenig verwunderlich, dass sich die Arbeiten für den Quasi-Western „The Proposition“ und „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ vornehmlich in Moll abspielen. Wunderschönes, nachtschwarzes Moll, wie geschaffen für neblige Herbsttage. Und dass der auf der ersten CD enthaltene Soundtrack für den noch nicht erschienen Film „The Road“ ein apokalyptisches Roadmovie unterlegt, ist nicht zu überhören. Auf der zweiten CD präsentieren die australischen Bandmates (Bad Seeds) Musik aus weniger bekannten Werken und Dokus. Noch intensiver, mystischer und eigentlich nur für Menschen mit einem sonnigen Naturell geeignet…
Jo Neckermann