Review

Nublues: Snow On The Tracks

Nublues: Snow On The Tracks

Bevor Blues unter dem „ehrlichen, handgemachten“ Regime der Leatherman-Träger und SRV-Nachäffer zur Lieblingsmusik alternder Studienräte verkam, hatte er eine höchst vitale Geschichte und Bedeutung. Aufmüpfige Unterschichtenmusik war das, genauso wie ein halbes Jahrhundert später die Urban Beats von Wu-Tang Clan oder den Beasty Boys. HipHop, Rap und Co. sind inzwischen auch zum Agro-Background für Goldketten tragende Youporn-Aktivisten mutiert, aber mit einigermaßen Fug und Recht als Blues des 21. Jahrhunderts zu bezeichnen. Reduziert, sexistisch, hoffnungslos, prahlerisch, verzweifelt größenwahnsinnig. Vier Briten, die sich „Nublues“ nennen, führen diese Musikrichtungen, deren Anhänger sich meist glühend hassen, auf geniale Weise zusammen. „Snow On The Tracks“, ihr zweites Album, ist deutlich ruraler angelegt als der Erstling „Dreams Of A Blues Man“, ohne aber den urbanen Aspekt, der diese Gruppe um Gitarrist Ramon Goose auszeichnet, zu vernachlässigen. Einfach göttlich, wie tradierte Blues-Zitate mit Western Swing, Schweineorgel und Loops und Scratches zusammengemixt werden. Wer endlich einmal Blues ohne peinliche Lederhosen, Conchos und Texashüte erleben will, dem sei „Nublues“ ans Herz und ins Ohr gelegt!

Jo Neckermann

Veröffentlicht am

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