Das in New York angesiedelte Label Backdrop startet eine neue Reihe namens „Our favourite things“. Das Konzept ist alles andere als ein Weltneuheit oder Innovation. Es werden Künstler gebeten, ihre Lieblingssongs und musikalische Inspirationen der Öffentlichkeit offen zu legen. Artverwandte Serien wie „Back to mine“, „I like it“ oder „Late night tales“ waren mit diesem Ansinnen oft nicht wirklich zu versprochener Genialität gekommen. Oft neigte man sogar dazu, die verehrten Künstler dort für ihre musikalische Sozialisation zu hinterfragen. Manches Mal wunderte man sich förmlich über die zu abstrakten und wenig nachvollziehbaren Lieblingslieder der Künstler. Manch einer ertappte sich sogar dabei, eher die DJ-Kicks, als ein auf Plastik verewigter Mix, zu kaufen – als das oft zusammenhanglos wirkenden Allerlei zu erwerben.
Das soll nun auf Backdrop Records besser werden. Man wählte hier die nordischen Eklektiker von Nuspirit Helsiniki aus. Das sind DJ Eppu, Lil’ Tony, Ender und Kasio – vier Produzenten aus Finnland – die vor allem Ende der Neunziger Jahren mit ihren Remixen und Produktionen auf sich aufmerksam machen konnten. Ihre Kooperationen mit Jazzanova, Kyoto Jazz Massive oder UFO werden zu Recht als NuJazz-Klassiker gehandelt und hatten einen immensen Einfluss zur Szene, die ja bekanntlich aus dem oft beschworenen eklektischen Zirkel aus Aktivisten zwischen Zagreb, London, Stockholm, Berlin und München etc. bestand. Auch wenn NH-Member Lil’ Tony heute eher Soundexperimenten Richtung Detroit Techno und Minimal House nachgeht, verbindet man unweigerlich mit dem Name Nuspirit Helsiniki die Zeit als Rainer Trüby, die IntoSumthin’-Crew, Mad Mats, Seiji und die Jazzanovas als Freistil-Götter hinter den Plattenspielern eine ganze Epoche prägten.
Nun hatten die vier Nordlichter also den Auftrag ihre Einflüsse zu präsentieren. Sie zeigen ihren Hang zu modernen Jazz-Entwürfen genauso wie ihre tiefe Verwurzelung mit elektronischen Klängen. Dabei nutzen sie die CD als Plattform um dem Hörer eine stylische Entdeckungsreise in die musikalische Vielfalt hauptsächlich skandinavischer Sounds anzubieten. Ruhige, jazzige Töne gibt es von dem Aisha Duo, dass überhaupt nicht konträr zu den elektronischen Ansätzen eines Joakim oder Trentemoller steht. Progressiver wird es da bei dem großartigen Wai Wan-Remix für das Projekt Flügelschlag und der Bearbeitung von „Before we say goodbye“ von den befreundeten Jazzern von The Five Corners Quintet.
Die Zusammensetzung wird oft homogen und nicht kontraproduktiv – verfolgt jedoch nicht den Weg mit den wenigsten Widerständen. Hier greifen unterschiedliche Genres ineinander und fusionen zu einem sehr entspannten Soundtrack, der die Fähigkeit besitzt neue Musik vorzustellen und den Hörer dazu zu überreden, sein Sonntagmorgenfrühstück locker um eine Stunde zu verlängern.
Peter Hagen