Review

Opensouls: Standing in the rain

Opensouls:  Standing in the rain

Inzwischen ist es ja auch in mitteleuropäische Kreise vorgedrungen, dass es in Down Under z.B. The Bamboos gibt, die den Funk hart und authentisch jedoch langweilig und nur rückwärts gewand spielen. Man weiss auch vermehrt schon, dass auf der Nachbarinsel Neuseeland der beseelte und experimentielle Reggae von Fat Freddys Drop in den Mainstreamcharts Einzug hält. Am Ende der Welt scheint man offensichtlich mehr wert auf gute Musik zu legen, als in unseren Breitengraden. So gibt es weiter hochwertige Exportschlager aus Neuseeland auch 2010 zu begutachten.

Ein Vorschlag hierzu wäre das Musiker-Kollektiv OPENSOULS. Sie kommen aus dem Land der Kiwis und spielen eine eingängige Mischung aus Pop, Soul und etwas Funk, die ihnen in ihrer Heimat sehr gut ankommt. Für ihr Erstwerk „Kaleidoskop“ haben sie den begehrten Kritikerpreis der New Zeeland Music Awards erhalten. Die Verkaufszahlen und das Kritikerlob können sich ebenfalls sehen lassen.

Das nun auch weltweit veröffentlichte Zweitwerk „Standing in the rain“ ist das was man sich zu oft in der hiesigen Radiolandschaft wünscht. Diese Musik wäre der geschmackvolle Kompromiss der die Popaffinität und Eingängigkeit von so manchem Mainstream-Publikum sofort erfüllen kann. Die leicht verdauliche Funkyness und beschwingte Leichtigkeit stehen hier im Kern des Schaffens. Zweifelsohne ist der Sound der Opensouls nicht auswechselbar und orientiert an den Harmonien der großen Motown-Tage, als man schwarze Musik für ein weises Publikum öffnete. Die Diskussion, ob sich dadurch etwas an der Qualität der Musik prinzipiell änderte, will ich hier nicht führen. Es geht nur um die offen zu Tage getragene musikalische Sozialisation dieser Band und ihrem Sound. Auch 2010 kann Soul doch ehrlich und doch durch und durch poppig sein. Warum auch nicht?! Diese Neuseeländer wollen keine Kopie der alten Tage der Musikfabrik aus Detroit sein. Sie transportieren jedoch auf eine unkonventionelle Art und Weise diese Ästhetik und diesen Sound in das Hier und Jetzt. So stehen sie deutlich weit ab von der angesagten Retrokutsche bei der man nur mit analogem Equipment arbeitete. So ist das Album hochwertig sauber abgemischt und erfüllt jeglichen internationalen Standard. Das besondere an dieser Scheibe ist, dass sie durchaus aktuell klingt. Die Arrangements und die polierten Sounds widersprechen nicht der Produktion von Wärme, die bekanntlich auf den Soulscheiben der 60er und 70er Jahre so auffällig war. Jene Wärme im Soundbild die man bisher durch ein Unterlassen der Benutzung von moderner Technik vorzüglich hervorrief (siehe Sharon Jones & The Dap-Kings). So haben wir Traditionsbewusstsein das mit der Moderne harmoniert. Wirklich angenehm, jedoch unterliegt hier ein großer Irrtum wenn man das als Funk oder Soulscheibe promoten will. Die bittersüße Stimme der Frontfrau Tyra Hammond wird man in Kombination mit dem Sound der Opensouls jedoch lange nicht vergessen und sie bestimmt hier und da zwischen Mainstreamgedudel und Kultursender im Frühjahr hören. Man kann hier begeisternd hinzu steuern, dass nicht nur die Damen und Herren Duffy, Adele oder James Morrison den Pop mit Soulaffinität für sich in Anspruch nehmen können.

Peter Hagen

Veröffentlicht am

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Connect with Facebook

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>