Ausnahmekünstler wie Common, Jay-Z oder Nas hin oder her – das Album als Gesamtkunstwerk im HipHop hat in den letzten Jahren gelitten. Die Mp3-Generation legt nun mal nicht mehr so viel Wert darauf und pumpt sich lieber ein großes Sammelsurium an Stücken von verschiedenen Künstlern auf den tragbaren Player. Natürlich ist so auch eine Flut an halbgaren Hitsingles der letzten Jahre zu erklären. Einige Künstler, auch im HipHop setzt jedoch weiter auf die Ausdrucksformalbum. Def Jux, Rhymesayer und Stones Throw Records wären hier favorisiert als Label zu nennen, die den Fans genau dieses Albumkonzept immer noch näher bringen wollen. Bei Künstlern wie Madlib, Doom, Brother Ali, Mr.Lif, Atmosphere oder Mos Def gibt auch noch den Anspruch sich der Hitmaschinerie zu entsagen und große Albumwerke abzuliefern. Jedoch kann man Leuten wie Kanye, Eminem, Ludacris oder Jigga dieses Ansinnen nicht ganz absprechen – nur machen sie es mit einem höheren Hitkalkül. Es handelt sich hier also um keine Pro-Argumentation für das Backpapertum und seine Helden – sondern um die Fronten die sich im Zeichen der Zeit herausgebildet haben.
Tres Records aus Kalifornien gehören auch zu den Imprints die sich komplett offen gegenüber HipHop verhalten. Ihre Signings kommen aus L.A., Detroit ebenso wie aus New York, Toronto oder Boston. Bei diesem Label hat man fast eine eingebaute Qualitätsgarantie, dass man HipHop unverwaschen präsentiert bekommt. Auf Albumlänge hat sich das schon außerordentlich gut gemacht, wie man an den Werken von Johnson & Jonson, Shawn Jackson oder C.R.A.C zeigte. Man sollte nicht müde werden es zu predigen, dass der Indie-Rapkünstler der letzten Zeit, BLU, aus diesem Stall entsprungen ist. Nun kommt also der Bostoner Paten Locke.
In jungen Jahren schon wohnhaft in Florida, Chicago und Los Angels gewesen, hat er allerlei Einflüsse in den 90ern sammeln können – was man seiner Musik deutlich anhört. Der rappende Beatschmied und Plattenkratzer kannte man bis vor kurzen noch Therapy und konnte ihn an der Seite The Smile Ray’s oder The Perceptionists begutachten. Nun also sein Debütalbum das eigentlich alle Argumente für einen Kauf liefert – wenn man in den 90ern mit HipHop sozialisiert und den so genannten Indie-HipHop zwischen L.A, North Carolina und Detroit immer noch fühlt.
Erstaunlich ist es schon, dass das Label ihn vor allem als Produzent und weniger als Rapper anpreist wenn man die Banger „Soup for one“ und „Breakthru“ hört, weil Paten einen Flow hat, den man sich merken wird. Seine Stärken kommen jedoch dort zu Tage wo er kranke Beats mit seinen verrückten Geschichten („Auto Reverse“) verbindet. Und irgendwie erinnert er ja sympathischerweise auf Songs wie „Wadaap!“ an etablierte Indie-Styler wie Aceyalone. Natürlich hat man das schon alles so oder so ähnlich gehört, aber das hier ist alle Mal frischer als das letzte Diamond D. (Huge Hefner)-Album und eigentlich so solide wie ein neues Roots-Album – und das kann man eigentlich nur noch über wenige LPs im HipHop sagen. Gebt diesem Mann eine Chance!
Peter Hagen
Danke für den Hinweis. Der Herr wäre an mir vorbeigegangen.
Ich persönlich bin die Covergestaltung von Gordon vom Project Mooncircle langsam etwas leid. Wobei es hier noch geht.
Und eine Bank auf einem Cover ist immer gut, wie man seit Braille weiß.
Ich habe überlegt, woher ich tres noch kenne. Und das kleine Logo am rechten unteren Rand. Ein Griff in die Plattenkiste hat dann geholfen:
Y Society
Hattest du nicht erwähnt und das Album “Travel at your own pace” sei dir bzw. Lesern von Herzen empfohlen.
Grüße.