Patty Moon ist der Künstlername von Judith Heusch, der Name der Band, welche auf der Bühne als Duo fungiert und im Studio zu einem Ensemble wächst, und irgendwie auch Konzept. Der Mond nämlich gilt gemeinhin als rätselhaft, mystisch und gerne ein wenig gespenstig. Das verhält sich mit dem Album „Lost In Your Head“, das passender Weise beim feinen Label Traumton erscheint, nicht anders.
Die 13 Songs sind kleine mit stimmungsvoller Musik untermalte Schauermärchen, vertonte Geschichten und Kopfkino in einem. Die Texte handeln von Krankheit, Mord, Angst oder Isolation. Scheinbar leicht und lässig intoniert, aber „under my wolfskin I shiver like a lamb“.
Patty Moon singt und spielt Klavier, während sich ihr kongenialer Partner Tobias Schwab als Soundtüftler und Arrangeur verdient macht, Mit ihrem Debüt-Album „Clouds Inside“ hinterließ das Freiburger Duo 2004 einen guten Eindruck, der gerne als Trip-Pop zwischen Goldfrapp und Portishead betitelt wurde. Die Stimme von Patty Moon erinnert in der Tat an die wunderbare Alison Goldfrapp, mit einer nicht unangenehmen Prise Björk. Ihre engelsgleichen Züge stehen der etwas bedrohlichen Musik affizierend gegenüber. Die einzelnen Kompositionen und Instrumentierungen sind sehr diffizil im Versuch, die Atmosphäre der Texte subtil und doch wirkungsvoll umzusetzen. Es gelingt meistens, wird in Spuren psychedelisch oder auch mal verspielt. Sehr schön sind die akzentuierten Einsätze von Cello oder Flügelhorn, oder wenn völlig unerwartet ein Schlagzeug einmarschiert und ein Akkordeon mitbringt, wie etwas bei „Deal“ oder „Straight Alone“. Der für mich größte Song ist „Golden Frame“, weil er ein zauberhaftes Cover eine alten Smiths-Songs sein könnte. Beruhigend und bereichernd, dass so eine international klingende Produktion aus Deutschland kommt.
Regina Sommerfeld