Im HipHop sind sechs Jahre eine halbe Ewigkeit. Damals, vor sechs Jahren, kamen die Holländer Pete Philly & Perquiste mit ihrem Debütalbum an den Start.
Das Game ist schnelllebig. Aber HipHop der Marke “zeitlos” zu schaffen, ist ein Vorhaben, dass immer noch viele Künstler verfolgen – u.a. damit man ihre Werke auch noch in 10 oder sogar 20 Jahren feiert. A Tribe Called Quest stehen für diesen künstlerischen Anspruch wohl am meisten Pate. Sie hatten damals den Mut für Neues. Sie verbanden Tradition mit Moderne. Bis heute sieht man oft genau diese Formel als das Non-Plus-Ultra für das Prädikat „Zeitlos“!
Wie sieht dann „Zeitlos“ 2012 aus? HipHop sollte sich im BoomBap nicht selbst alt aussehen lassen – darüber ist sich wohl inzwischen auch Premo klar geworden. Während die Amis noch immer versuchen Euro-Dance-Nummer zu Hymnen hochkristallisieren und sich in einem Einheitsbrei aus Electrostampfbeats mit Pop-Appeal suhlen und duplizieren, schaut der werte HipHop-Interessierte mit einem kreativen Ohr schon lange in die Gefilden der europäischen und globalen Hybridschmieden. Ein Blick, der so manch einem amerikanischen Hit-Hop-Produzenten scheinbar oft fehlt und ihm bestimmt Mut zu neuen Horizonten bringen würde. Nicht nur die neue Marsimoto-Scheibe offenbart neue musikalische Herausforderungen. Weltweit gibt es Musiker und Produzenten die HipHop wieder spannend machen und von der Einheitsbrei-Plastikpop-Zwangsjacke befreien wollen.
Und warum sollte das nicht auch ein Holländer sein? Immerhin gibt es gerade im Dubstep-Bereich unüberhörbare Großtaten der Niederländer, die so mancher als wirklich geschmeidiger als die der Engländer bezeichnet. Pete Philly, hat schon vor 6 Jahren Klassik, Jazz und HipHop fusioniert um dann seinen Schwerpunkt auf dem zweiten Album scheinbar spielerisch auf Soul zu setzen. Man weiss also in der Gemeinde von seinem handwerklichen Talent und seiner Experimentierfreude. Und wie kann das anders sein, wenn man die Begebenheiten der Multikulti-Metropole Amsterdam kennt?!
Musikalisch gibt er auf „One“ wieder eine spannende Blaupause seines Schaffens. Da treffen Beatboxin‘ Einlagen auf Cuts wie in der alten Schule. Songwriter-Folk, Dub, karibische Klänge und Dubstep-Elemente fließen gediegen in die in keiner Weise progressiven Beatwelten. Dieser Mann hat sich in seiner Musik den Soul erhalten. Dabei hat er sich hörbar gesanglich und produktionstechnisch weiter entwickelt. Wäre interessant zu wissen ob er nicht Nächte hindurch die Alben von den Kollegen von Foreign Exchange gehört hat. „One“ hat einen warmen Grundsound, der es schafft, den Hörer auf die komplette Albumlänge zu umarmen. Dabei hört man inspirierende Quellen wie den vergessenen NeoSouler D’Angelo, jazzige Chords wie bei The Roots und Tribe! Guter Pop muss zeitlos sein – so wie das hier. Und mal unter uns: Die Zeiten in denen Pop ein Schimpfwort war, sind schon lange vorbei.
Pete Philly wird es mit diesem Album in Höhen schaffen, die er noch nicht erahnt. „One“ ist ein großes Stück Musik das zeitlosen Pop geschaffen hat, der wunderbar anders ist und zeigt das Soul auf keinen Fall immer an die 1970er angelehnt sein muss und HipHop nicht außen vor lassen muss. Mehr davon , Herr Philly.
Text: Peter Parker
Pete Philly – One [official video] from PIASGermany on Vimeo.