Guillermo Scott Herren wandelt seit 10 Jahren musikalisch auf seinen ganz eigenen Pfaden und entwickelt sich immer wieder zu einem außerirdisch-anmutenden Soundchamäleon, dass sich nach Lust und Laune einer Vision hingeben und auch umsetzen kann. Dabei benutzt er immer wieder seine Pseudonyme wie Prefuse 73, Savath & Savalas oder Piano Overload – je nach dem welchen Schwerpunkt er setzt.
Radikalität und Kreativität verbindet er wie kein anderer. Vor keinem Abenteuer machte er bisher Halt. Seinen ursprünglichen Ansatz als HipHop-Produzent hat er nie wirklich abgelegt – auch wenn die Komponenten wie Jazz, progressiver und psychedelischer Rock, Elektronica oder Folk nicht unbedingt für jeden einen logischen Zusammenhang haben. Herren scheint die unkonventionelle Art des Puzzelns auch mal mit einem abstrakten „Fu** you“ zur Kunst zu erheben. Diese Kunst, und das sind seine oft anstrengenden Klangwelten, will mit aller Gewalt anders sein – und das kann sie und macht sie so besonders. So geht er wieder verstärkt auf seine Cut-Up-Technik ein und die Samples wirbeln förmlich durcheinander. Er zerstückelt scheinbar im Schlaf oder früher DJ Shadow Millionen von Breaks und Soundfetzen zu etwas neuem.
Dilla und Donuts schreien da die einen. So ist es jedoch nicht ganz. Dort wo Dilla’s Donuts funky war, wirkt Herren bewusst „outta space“ und oft unkontrolliert. Sein neues Werk „Everything she touched turned ampexian“ ist so ein Erlebnis. Was Madlib gerne raucht, weiss man ja. Was Mr. Herren in seiner Freizeit konsumiert, bleibt zu spekulieren und ob das alles noch so gesund ist. Das Gesamtwerk ist anstrengend auf Dauer – das heisst jedoch noch lange nicht, dass es nicht genial ist. Charlie Parker, Funkadelic und Public Enemy kann man ja auch nicht immer haben – hat man sie doch für ihr Genius schon lange ins Herz geschlossen.
Peter Hagen