Review

Around the world

Around the world

Will Holland ist ein junger Mann der nie schläft. Das sei hier mal gesagt, für all diejenigen, die diesen Namen noch nicht kennen. Das ist natürlich nichts Besonderes. Jedoch wenn man einen intensiveren Blick auf das Schaffen des 26jährigen Briten wirft – wird sofort klar, dass hier jemand ist, der für seinen Traum keine Minute faul auf der Haut liegt.

Das Phänomen an Will Holland alias “Quantic” ist – dass er mit einfachsten Mitteln (einem Laptop und ein paar alten Analoggeräten, sowie einer klassischen Drum-Maschine) begann, furchtbar gute Sounds zu basteln und für sein Debütalbum “The 5th Exotic” im Jahre 2001 erstes Kritikerlob einheimste, weil es für einen so jungen Anfänger unglaublich ausgereift und “open-minded” klang. Mit seinen beiden darauf folgenden Alben und unzähligen Remixen, sowie Produktionen für TM Juke, Alice Russells oder Greyboy – verschaffte er sich nicht nur den Respekt einer ganzen Szene, sondern auch weit darüber hinaus. Seine Liebe zum “Rare Groove” pflegte er ganz nebenbei in seiner Funk-Combo “Quantic Soul Orchestra” – und ist nicht ganz unschuldig dran, dass dieses Genre ein Wiederbelebung erlebt, wie nie zuvor.

Seine Alben waren immer von einem ganz speziellen Vibe durchzogen. Wo sein Debüt sich noch dem jazzigen Downbeats (alla “Nightmare on Wax”) verschrien hatte (bestimmt auch aus Mangel an Equipment) – ist er heute einer der vielseitigsten Produzenten und Musiker, und spielt jetzt schon in einer Liga mit Jazzanova oder Mathew Herbert – vor allem auch deswegen, weil er seinen eigenen Stil gefunden und markiert hat.

Es scheint ihm nie die Puste auszugehen. Wenn man sich mal auf seiner, sehr sympathischen Homepage anschaut, wie viel dieser junge Künstler auf die Beine stellt, kann man sich schon mal über dessen Pensum wundern. DJ-Gigs in der ganzen Welt, Remixe für andere Künstler, live-on-stage mit seinem QSO und und und.

Nun also sein viertes Album unter seinem Alias Quantic. Wieder einmal ein sehr stark von seinen Reisen beeinflusstes vacetten-reiches Werk, das aus seinen gemeinsamen Wurzeln irgendwo im Freigeist-Universums des Jazz, wieder alles absteckt, für was “Quantic” steht. “Funky Future Grooves” werden aufgefüllt mit Afrobeat, Brazil & Latin. Die Kombinationen variieren oft – mal gibt es tonnenschwerer Bass in Form von “Broken Beats” – mal geht es mehr ins “House” oder den so geliebten “Break Beats”. Wo andere mit solchen Experimenten ins Skurile abstürzen und sich verzetteln – wirkt Will Holland auf dem neuen Album sicherer den je. Ob melodiöser Drum’n’ Bass oder furztrockene Dancefloor-Nu-Breaks – er beherrscht sie alle. Und es wundert nicht, dass “An annoucement to answer” mehr Tanzflächenfutter intus hat, als seine Vorgänger. Mr.Holland hat nämlich einfach das aufgenommen, was er die letzten zwei Jahre auf immer höherem Niveau gemacht hat – einen eklektischen Rundumschlag an den Plattentellern. Alte Funk-Strukturen und allerlei an Sorten an Worlmusic treffen auf aktuelle, open-minded Entwürfe in einer stielsicheren Mischung mit der er sich in das Herz von so manchen alten DJ-Haudegen gespielt hat.

So ist das neue Werk eigentlich nur ein kleines Update was Herr Holland in den letzten Monaten so getrieben hat. Jedoch ist das unglaublich viel. Neosoul-Röhre Noelle Scaggs (The Rebirth), Ubiquity-Rapper Ohmega Watts und Tempo, das legendäre Ex-Bandmitglied der Fania Allstars aus Puerto Rico, ergänzen das Ganze zu einem Hörerlebnis von einem der letzten, wahren Freestyler unserer Zeit.

Peter Hagen / Jazzriots

Veröffentlicht am

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Connect with Facebook

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>