Will Holland macht unmissverständlich klar, dass Reggae und Latin sich geschmeidig paaren können, wenn er ihnen die Symbiose im bassverliebten Dub anbietet. Das hat er bereits vor 2008 angedeutet und baut er nun ein weiters mal geschmackvoll aus. Dort wo das erfolgreiche englische Independentlabel TruThoughts etwas überschwänglich von einem „Tropical Soundclash“ im Pressetext spricht, muss man diesen Begriff wohl als etwas zu euphorisch und auch nicht genau passend entschärfen. Will Holland, das britischen Wunderkind mit dem Faible für exotische Musik, ist als Quantic fast 15 Jahre damit beschäftig, musikalische Fusionen zu bilden. Kein Stil, kein Genre und keine Entdeckung ist ihm dabei zu weit weg oder fremd. Wo in seinen frühen Produktionen der Jazz in Sample-Form auf dicke HipHop-Beats traf um später zu einem eklektischen Rundumschlag zu werden, hat Quantic seine Zuneigung zu den traditionellen Sounds Mittel u.- Südamerikas immer mehr ausgebaut und lebt inzwischen auch schon einige Jahre in Kolumbien. Karibisch-frisch geht es auf „Dog with a rope“ , dem zweiten Teil seiner Soundreise namens „Flowering Inferno“, zu. Wo er mit seinem Quantic Soul Orchestra noch mehr den Funk und andere tanzbarer Grooves integrierte, wie er auf „Tropidelico“ dokumentierte, geht er es auf dieser Reihe entspannter an. Wie schon an der letztes Jahr veröffentlichten „Tradition in Transition“ hat er gezeigt wie sehr er traditionelle Sound aufsaugt und sein eigenes Gemisch daraus definiert. Will Holland gehört nach wie vor zu jenen Produzenten, DJs und Musikern deren Input man in jedem Werk nachvollziehen kann und die die Gabe besitzen, den werten Hörer mit auf eine Reise zu nehmen. Bei den aktuellen tropischen Temperaturen in Deutschland kommt diese Platte mit ihrem Reggae-Latin-Gebräu genau richtig. Den Havanna-Cola-on-the-rocks kann man sich ja direkt dazu machen – fertig ist die perfekte Sommersause. Wenn man an den riesen Hype vor 10 Jahren durch den Buena Vista Social Club denkt, kann man nur hoffen das diese Platte wenigstens 1/10 davon abgekommt. Sie hätte es verdient.
Peter Hagen