Review

Quincy Jointz pres. LIME SORBET VOL.4

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Review:

Von Parallellgesellschaften wird oft nur im Kontext gescheiterter Integration gesprochen. Man kann den Begriff aber auch positiv belegen. Besonders wenn man über das Übergenre “Funky Freestyle” spricht. Die musikalischen, globalen Entwicklungen und Netzwerke laufen parallel zum Mainstream, bewegt viel und findet viel zu wenig Beachtung. Analog zu der Begrifflichkeit “Eclectic”, die in den 1990ern für die Klangvielfalt und dem geschmackssicheren Genrereichtums der BBC-Ikone Gilles Peterson geschaffen wurde, geht eine Basis, in diesem Fall Jazz, immer neue Verbindungen mit anderen Stilrichtungen ein und schafft etwas gänzlich Neues. Beim “Funky Freestyle” haben wir immer diesen gewissen Grundton der Funkyness und eine Bandbreite an Kooperations- und Fusionsmöglichkeiten, wie es sich viele Menschen überhaupt nicht vorstellen können. Hier geht es um die kreative Freiheit von Musikern und Produzenten aus allen Teilen der Welt, die sich nicht den Dogmen der kommerziellen Popmusik aussetzen wollen.

Was gibt es also Schöners, als wenn dem werten Musikinteressierten diese geballte Form musikalischer Freiheitsbestrebungen kompetent näher gebracht werden?! Dafür hat sich der Produzent und international gefragte Plattenleger DJ Quincy Jointz berufen gefühlt und seine Kontakte zu weltweit agierenden Kollegen ausgestregt. Nun legt er die vierte Ausgabe seiner “Funky Freestyle”-Reihe LIME SORBET vor. Was man vorweg sagen kann, ist dass diese Compilation mal wieder nur ein Manko hat: Sie erscheint nur digital. Sammler physikalischer Errungenschaften müssen sich hier wohl oder über das Material auf ihr Serato/Traktor laden und sich damit zufrieden geben. Spätestens wenn sie diese Tunes auf die Tanzflächen der Welt feuern, werden sie etwas ihrer Trauer verlieren können. Weil hier ist Einiges geboten: Tosses & Varves ballern Ghetto Funk, Turnhill & Merlin drehen die alte Schule in das Hier & Jetzt, Calagad & Champa schieben spanischen Rap und Future Soul zusammen, DJ Max & Gabb interpretieren Fela Kutis Erbe neu, die Natural Born Groovers erinnern in ihrer Retrospektive namens “People come together” an frühe Ninja Tune-Tage, herrlicher Dub mit orientalischen Einflüssen gibt es im CMC&SIlenta-Remix bevor sich Quincy Jointz selbst mit der Sängerin Judith Menner dem Fortbestand des NuFunk kümmert und Jazz.K.Lipa die Schönheit des Soul noch einmal neu definiert. Das Pottpüree aus Jazz, Afro, Reggae, Funk, House und Bass zeigt sich mal wieder von seiner schönsten Seite.

Chapeau, Mr. Jointz. Das ist mal wieder ein rundes Ding mit viele, spannenden Songs – bei denen die Hälfte den Sommer über die Tanzflächen und die darauf feiernden Menschen glücklich machen wird. Vive la Funky Freestyle.

Text: Peter Parker


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