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Raheem Devaughn: Love behind the melody

Raheem Devaughn: Love behind the melody

Der in New Jersey geborene Sänger, Musiker und Songschreiber Rashem DeVaughn bringt mit „Love behind the melody“ den Geist von Marvin Gaye und damit die Ehrlichkeit des Soul wieder zurück in Musiklandschaft.

Es ging relativ schnell für DeVaughn. Erst entdeckte er am College, dass er Talent im Gesang und Songwriting hat – kurz darauf sang er in einer Band und gewann in Washington einen Nachwuchswettbewerb. Das Preisgeld eröffnete ihm eine kurzfristige finanzielle Freiheit die er nutze um ungestört Songs zu schreiben. Dem Glück nicht genug, entdecke ihn HipHop-Veteran DJ Jazzy Jeff und lies ihn auf drei Songs seines Klassikers „The Magnificent“ singen. Danach bekam er einen Plattenvertrag bei Jive Records und veröffentlichte mit „The love experience“ 2005 sein Debüt, dass man zögerlich aber durch aus willkommen und gelungen betitelte. Es war aber viel mehr.

Es beschwingt einem das ungute Gefühl, dass eine verheißungsvolle Platte plötzlich im R’n’B- Klischee zwischen Pop, Sex & Charts-Kalkulation-Sphären abrutschen würde, wenn man „(Friday) Shut the club down“ zum ersten Mal hört. Anfangs baut der Song auf dem Temptations-Sample „My Girl“ auf. Diese 70s-Affinität wird zumindest in gehobenen Vintage-Soul-Kreisen immer als respektswürdig angesehen und ist allgemein nie schlecht für eine gute Reputation. Nur hat man es zu oft gesehen, dass ein All-Time-Soul-Classic billig becovert oder gesampelt wurde, um mit aller Gewalt einen potentiellen Hit und Ohrwurm zu landen. DeVaughn weißt hier den speziellen Unterschied auf. Analog zu Erykah Badu, stellt er einen modernen Entwurf von Soul Music da, der sich nicht vor HipHop verschließt aber verwurzelter und authentischer wirkt als die R’n’B-Massenware, die sich hauptsächlich an Club u. Radiotauglichkeit orientiert. Weniger radiofreundlich ist die Musik von DeVaughn natürlich nicht. John Legend und Anthony Hamilton haben es ja schon vorgemacht. Alice Keys und Joss Stone praktizieren es mit Abstrichen in Perfektion.

Gerade bei Songs wie „Marathon“ oder „Desire“ hört man unweigerlich den immensen Einfluss von Marvin Gaye heraus. In diesen Gefilden sich als Künstler festzusetzen wirft immer Fragen auf. Der Schatten der Soulikone Gaye, der mehrere Generationen beeinflusste schwebt unweigerlich immer über DeVaughn. Anstatt vor Ehrfurcht zu erstarren hängt er seine volle Leidenschaft und Intensität in seine Songs. Er versucht erst gar nicht den dauerläufigen Lumpi mit Supergoldkette aus der Nachbarschaft zu mimen – wie es R.Kelly ja bekanntlich seit Jahrzehnten tut. Vielleicht liegt ja gerade hier der Unterschied zu den meisten aktuellen Produktionen. Sei Prämisse heisst: „Some people make music for a moment, I make music for a lifetime“. Damit steht er in einer direkten Parallele zu seinen eigenen Vorbilder Stevie Wonder und Marvin Gaye – die nie Musik oberflächlich behandelt haben. Und an diesem Punkt wird Musik dann wirklich zu Kunst. Ein selten gewordenes Erlebnis in der Zeit von Castinghype, Plastikpop und Retortenmusik.

Lässt man die Vorurteile gegenüber des Neo-Soul-Movements hinter sich, und öffnet sich der musikalischen Welt dieses Künstler stößt man auch weit mehr Argumente die für sein Werk zählen, als man denkt. Die Attitüde die „Musik der Leute“ zu machen, hat er einem anderen großen Musiker der 70er abgeschaut bzw. sich inspirieren lassen. Das Storytelling, dass zwischen allen Lobpreisungen auf das andere Geschlecht, der Romantik und der Hitze, oft sozialkritisch und politisch ist – erinnert immer und immer wieder an Curtis Mayfield. Somit ist zu erklären, dass conscious-orientierte HipHop-Künstler wie Talib Kweli, Beanie Sigel oder Guru nicht den allgegenwärtigen Akon sondern DeVaughn auf der Hook haben wollen. Das erklärt wohl auch sein überdurchschnittlicher Aktivismus neben seinem Talent. Er arbeitet schon am nächsten Album, dass den Namen „The Love & War Masterpeace“. Hoch gegriffen? Wir werden sehen. Das Potential zeigt er ja schon auf diesem Album. Bilal, Dwele, Musiq, D’Angelo, Rashaan Patterson – Er reiht sich hier nahtlos ein. Das ist bisher nicht vielen gegönnt gewesen.

Um so schöner ist es, dass er nun mit seinem weiblichen Pendant Jill Scott auf Tour ist. Wer „Jilly from Philly“ Scott einmal entdeckt hat wird sich nicht wundern. Die zwei mit ihrer Ausstrahlung, ihrem Einsatz und ihrem musikalischen Verständnis auf einer Bühne – mehr als eine Empfehlung.

Peter Hagen (Jazzriots)

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