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Richy Pitch: Ye Fre Mi Richy Pitch

Richy Pitch: Ye Fre Mi Richy Pitch

Richy Pitch? Anyone? Nie gehört? In der Tat gehört der Engländer nicht zu den bekanntesten Beatfricklern des vereinigten Königreichs. Insidern ist er jedoch wohl bekannt als der Plattendreher, der seit 1996 die legendäre Clubnight „Scratch“ als Resident gestaltet und HipHop in der Schmelztiegelkultur Londons hochhält. Schaut man etwas genauer hin, ist Richy Pitch ein unglaublich aktiver Produzent, der vornehmlich mit Untergrundphänomenen wie Apani B, Mr.Complex, J-Live oder Asheru arbeitet. Daneben kann er ganz schmucke Remixarbeiten für die freigeistigen HipHop-Ikonen von Outkast oder der Jazzfunk-Legende Roy Ayers aufweisen. Neben der Liebe für HipHop der traditionellen Marke hegt er auch durchaus eine Zuneigung für neue Soul-Entwürfe wie Marcia Escoffery. Er wäre jedoch kein Londoner DJ, wenn er auch nicht nebenher an mehreren Projekten gleichzeitig arbeiten würde die Reggae/Dancehall (Pitch’n’Tukka) oder afrikanische Wurzeln („Ye fre mi Richy Pitch“) vertieft erforschen.

Für das zweitgenannte Projekt hat sich der englische Musikfreak zwei Jahren Urlaub genommen und hat Ghana bereist. Hier sog er die vielfältigen, westafrikanischen Musikfacetten auf und integrierte sie in seine Beatstrukturen zwischen Dancehall, Broken Beats, leichte Drum’n’Bass-Ansätze und natürlich knackigem HipHop. Natürlich hat er doch mit vielen einheimischen Künstlern einen Austausch vollzogen, dessen Resultat wirklich interessant geworden ist. So arbeitete er dort mit hiesigen Legenden wie dem Hiplife-Altmeister Reggie Rockstone, dem MOBO und MTV Africa-Award-Gewinner Samini und einer beachtlichen Zahl an MCs wie Wanlov the Kubolor, M3NSA oder M.anifest – die man in Ghana als Stars verehrt und in europäischen Graden bisher nicht wahrnahm. Die oft für Nichtafrikaner unermesslich wirkende Anzahl an unerforschten polyrhythmischen Afrobeat-Welten wurden durch Mr. Pitch in ein modernes Gewand gelegt das dem Anspruch gerecht wird, hip und traditionell zu sein. Worldmusic-Dogmatiker werden natürlich ihre Probleme damit haben und vielleicht sogar die völlig unangebrachte Kritik der imperialistischen Ausbeutung der uralten, afrika-eigenen Sounds hervorbringen. Was jedoch ein krasser Trugschluß wäre, weil das hier eine richtig bunte Symbiose von Altem und Neuem ist.

Peter Hagen

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