Review

Roger – 4S Punks

roger cover

Review:

Die deutsche Rapkapelle Blumentopf muss man nicht mehr großartig vorstellen. Sie haben einen erheblichen Anteil daran dass HipHop aus Deutschland heute das ist was es ist. Sozialkritik und Humor in einem unvergleichbaren Wechselspiel – dafür werden sie seit „Kein Zufall“ und vor allem „Großes Kino“ geliebt und sind eigentlich auch nicht mehr wegzudenken. Nicht nur der Haus- und Hofproduzent Sepalot wandelt auf Solopfaden. Nun hat auch Roger zwischen all den Top10-Alben des Kollektivs, der nicht unkritisch beäugten Teilnahme an Stefan Raab’s Bundesvision Song Contest und den inzwischen legendären Fussball-Rap-ortagen zur EM und WM Zeit gefunden ein zweites Album aufzunehmen.

„4s Punks“ ist ein HipHop-Album geworden, das zu 100% in den Händen des Künstlers lag und das hört man. Das liegt natürlich daran, dass Roger es inzwischen mehr als versteht den Sampler mit beseelten Soundfetzen zu füttern und die Beats klassisch zu programmieren – und das zu einem Zeitpunkt an dem sich Deutschrap an vielen Stellen neuorientiert (Dubstep, Techno, Pop), innovativ mutig ist (Casper, Materia), als auch gerne wieder die traditionelle 90s-Ästhik auf eine Retrowelle schiebt. Aber hier sagt die etablierte Kraft ganz einfach laut „Scheiss drauf, ich mache was ich für gut befinde“! Und hier liegt der sympathische Kern dieser Platte! Sie ist ein kleines dynamisches, autonomes Powerpack (Lyriks, Raps, Beats, Grafik) und besticht durch inhaltliche Stärke.

Und während ich das Promoalbum hier durchhöre, sagt ein kopfnickender Kollege im Nebenzimmer, dass hier Deutschrap endlich wieder „Soulmusic“ ist, wie es einst Curse und Xavier definierten. Natürlich geht einem das Herz auf, wenn auf „Malen statt radieren“ ein Sadat X & Common-Vocalcuts zu autobiografischen Reflexionen die Nostalgie bemüht wird. Roger weiss wie er die Snare batschen lässt und das Sample setzten muss, damit er die Heads bekommt, die irgendwo zwischen Pete Rock, Dilla und Freundeskreis sozialisiert sind. Währen Roger seine heimlichen Joker, die Ironie und Wortspiele, ausspielt darf der werte Hörer gerne über seine Abrechnung mit künstlichen Lebenseinstellungen und „Revolutionen per Online-Petition“ nachdenken. Hier steht der Titeltrack „4sPunks“ im Vordergrund und neben einigen sehr persönlichen Lyrics über die Liebe („Geht’s dir gut“) und die Selbstzweifel die das Leben ab und zu mit sich bringt („Vielleicht“) gibt es eine wahre Rapnerd-Bombe („Serienkiller“). Dieses Album ist frei von Trends und Hypes und kohärent in allen Belangen. Eine Frage bleibt jedoch: Wie ist das eigentlich passiert das der gute Wasi (Ex-Massiven Töne)hier wie aus dem Nichts nach all den Jahren wieder aufgetaucht ist!?

Text: Peter Parker


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