Review

Rojah Phad Full: Alles Geht Phad

Rojah Phad Full: Alles Geht Phad

Review:

Bis die „Neue Reimgeneration“ um Cro, Eou oder Ahzumjot von Falk in Mixery Raw Deluxe propagiert wurde, wirkte es doch schon stark, dieses deutsche Dancehall-Ding! So manch einer neigte dazu, die Hypothese aufzustellen, dass die jungen Wilden mit der Liebe für jamaikanische Riddims den deutschsprachigen Rap abgelöst hätten. Wie auch immer! Weder Rap in Deutschland noch etwas anderes ist tot! Ohne Zweifel liebt die Jugend die neuen Dancehall-Errungenschaften der nächsten Generation. Nosliw hat hier Türen aufgestoßen – analog zum hiesigen HipHop, die experimentierfreudigen Casper und Materia. Bei diesen beiden Abräumer von 2011 standen traditionelle Ansätze nicht mehr im Gegensatz zu musikalisch neuen Horizonten.

Die vom Fachblatt Riddim als „Newcomer“ und „Rookies“ gefeierten Aktivisten Rojah und Slonesta haben bereits auf ihrem Doppeldebüt „Wer zum…“ auf Rootdown Records bewiesen, dass man auch in Zukunft mit ihrer Kunst rechnen sollte. Nach Slonesta’s digitalen Mixtape-Geschenk „Guten Morgen, Welt“, der freshen Ep „Slomotion“ geht der Weg nun mit dem Zungenakrobaten und Repräsenter Rojah aus Bayreuth weiter.

Der Umzug von Rojah von Bayreuth nach Berlin hat im hörbar gut getan und er hat noch einmal mehr das Ansinnen unterstrichen die Stimme des Szenenachwuchs mit Kollege Slonesta zu werden! Musikalische gibt es minimalistische, bass-untermauerte Klangteppiche über die er mit seinen Geschichten aus dem Alltag gleitet. Dabei punktet er mit gesellschaftlichen Problematiken wie unpersönliche Bezüge und vergessene Menschlichkeit („Internet“), freche Reflektionen des weiblichen Geschlechts („Bad“) oder prangert Ignoranz und Meinungsmacherei an („Lass sie alle labern“) und spricht inhaltlich facettenreich Themen an mit denen so ziemlich jeder zwischen 13 und Ende 30 sich identifizieren kann. Das Highlight ist zweifellos die Kollaboration mit Nosliw bei der sie sich an vergangene HipHop-Zeiten erinnern. Kaum vorstellbar dass bei der inhaltlichen, technischen und musikalischen Kompetenz das hier von den Leuten ignoriert werden kann, die gerade Cro & Konsorten Millionen von Klicks auf Youtube bescheren. Hier gibt es Clubbanger („Kein Mensch“) und Bassmonster („Supa Dupa Power“) für die nächste Party die zwischen Lil Wayne, Materia, Mavado, Rusko und Rhianna ihren Platz problemlos finden, weil sie so dick produziert sind und Dubstep genauso wenig außen vor lassen wie sie Pop atmen ohne in irgendeiner Weise Sellout zu sein. Die Reggae-Fans die mehr die klassischen Roots-Vibes mögen, kommen bei „Das Leben ist schön“ bedient. Lieber Frühling, hier hast du dein ersten Pflicht-Album. Nuff said.

Text: Peter Hagen

 


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