Widmet man sich elektronischer Musik, kann man diese in Bestform und in vielen Variationen, seit Jahren auf dem Berliner Label Sonar Kollektiv finden. Der eklektische Zirkel um die Jazzanova-Djs & Produzenten kreist ja schon seit längerem ein großer Planet, dessen Umlaufbahnen immer elektronischer werden. Viele DJ-Sets tauchen immer mehr in die Welt zwischen House, Techno und affinen Strömungen ein. Reduziert auf Nujazz und Lounge Grooves machten sie nie einen Hehl daraus, dass sie den Clubsound von Detroit, Chicago & New York mächtig mögen. So macht es mehr als Sinn vermehrt auf diese Richtungen einzugehen und ihnen eine Plattform zu bieten. Die hervorragenden 12inches von dem verrückten Duo Trickski, den finnischen Future Beats Investigators oder den flippigen Rookies Skwerl & Solomun. Die Compilation „Members of the Trick“ hatte das schon ausgeleuchtet, in welche Richtung es in Zukunft u.a. funken wird. Ursprünglich bekannt durch die Compost-Oldschool-Fame durch Trüby Trio & Fauna Flash, hat er sich von den (nu)jazzigen bzw. eklektischen Exkursionen zwischen Drum’n’Bass & Bossa zu einem liebhaber, elektronischer, experimenteller, oft detroitischer Klangwelten hinentwickelt. Seine Soloantestungen gingen in die Cases der großen Jungs. Hell, Garnier, Michael Mayer oder Pete Tong – sie alle feierten die drei 12inches lobpreisend. Das ist nicht nur eine Anerkennung für die gute Musik und Mut, solche zu fokusieren – sondern auch Reputation auf allen Kanälen. So was spricht sich herum. Ein Album musste kommen. Auf „Talk to your angel“ zeigt Appel nicht nur seine Liebe zu den Achtziger und deren, teilweise sündhaft prägnanten und durchaus funkigen Synthie-Exzesse („New Love“) und spacigen Electrowelten, die auch mal zu Monstern der brachialen Art werden („Unforgiven“). Appel schafft es, dem kühlen, teils dunklen Sound einen beseelten Stempel aufzudrücken. Der harmonische Gesang von Araba Waltons tut dem Ganzen auch sehr, sehr gut. Das hat einer die Clubkultur und die Struktur-Songwriting mal wieder ganz geschickt zusammengefügt, dass es natürlich an die ruhmreichen Detroiter-Helden erinnert. Beanfield’s Jan Krause hat da als Coproducer auch eine bisher wohl nie so ausgelebte Liebe entdeckt und einen bombastischen Job gemacht.
Peter Hagen