Review

Samy Deluxe – Berühmte Letzte Worte

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Review:

Der Hamburger Stadtteil Eimsbüttel wurde zu Eimsbusch. Nach 5 Sterne Deluxe und den Beginnern revolutionierte ein norddeutscher MC das ganze Spiel. Mit seinen Kompagnons Tropf und Dynamite bombardierte der große Mann mit der scharfen Zunge die hiesige Szene so sehr, dass man kurzzeitig glaubte, es gäbe neben diesem hungrigen Raprookie nie wieder etwas Ebenbürtiges. „Pure Gift“ war brachiale Rapkunst und ist auch fast 20 Jahre später immer noch ein Meisterwerk der deutschsprachigen Rapkultur. Mit derartigen Donnerschlägen etablierte sich Herr Samy Deluxe schnell. Es folgten Hits in Massen („Grüne Brille“, „Weck mich auf“, „Dis wo ich herkom“ „Sneak Preview“ „Hände hoch“ etc.) neben experimentelle Phasen zwischen Pop, Reggae und Singer/Songwriter-Mucke. Mit seinem neuen Werk reflektiert Samy weiterhin und intensiver denn je die großen Fragen die ihn und seine Umwelt bewegen. Eine Klangteppich mit beseelten Beats, über den Samy gewohnt sicher flowt, bastelten ihm dafür Bazzazian und Farhot sowie dem Matteo Capreoli und DJ Vito. Mag man dem Hamburger auf den letzten Werken die abgefahrenen Probierfahrten (Herr Sorge) und die oft nicht ganz zu Ende gedachten Songskizzen vorgeworfen haben, ist auf der neuen LP alles kohärent. Er schafft es mit seinen Raps seine persönliche Entwicklung darzustellen und zu hinterfragen. Es fehlt ihm weiterhin nicht an Humor und an Mut in den Afd-verseuchten Zeiten ein politisches Statement abzugeben. „Klopapier“ und „Mimimi“ sind Songs die den Kern seines Schaffens unterstreichen und seine große Bedeutung für die deutsche Pop & HipHop-Kultur verdeutlichen. Wenn im August dann auch noch die glorreichen Beginner zurückkehren, ist Hamburger-HipHop mit Qualität wieder ganz oben. Wer hätte das gedacht?

Text: Peter Parker


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