Spannend, ja fast euphorisch wird es sehr oft, wenn sich in Großstädten verschiedene Musiker aus sehr unterschiedlichen Kulturen treffen und miteinander jammen. Um das feststellen zu können, muss man kein Musiker sein, sondern nur in Berlin, London oder Paris auf öffentlichen Plätze oder Parks zu gehen und beobachten, was hier oft unverhofft zusammenschmelzt. Dazu muss man jetzt die Schmelztiegeltheorie nicht diskutieren – jedoch gab es schon immer diese typischen Melting Pot-Sounds. Man denke nur mal an das New York der 1960er, als die hispanischen Einwanderer ihre traditionellen Sounds mit den damals modernen Hipsterklangwelten der Schwarzen vereinten und den Nuyorican Soul schuffen. Im Jahre 2010 gibt es, nicht nur durch das Internet, noch mehr Möglichkeiten zum musikalischen Austausch und für gemeinsame Experimente.
In der englischen Hauptstadt haben sich ein paar einheimische Musiker mit ein paar Künstlern aus Brasilien gesucht und gefunden. Daraus entstand die Gruppe „Saravah Soul“. Deren zweites Album steht nun an und sie haben darauf das weitergeführt, für was sie auf ihrem Debüt gefeiert wurden. Sie haben eine sehr unkomplizierte, sehr lockere und besonders dynamische Art ansteckende Rhythmen zu produzieren. So bringen sie den lebensfrohe Charakter der Südamerikaner in das Klanggemisch aus Afrobeat, Brasil, Funk und Folklore. Dabei kann man sie nicht ganz unter der Schublade „Vintage“ einordnen – zu fliegend sind oft die Übergänge und frei die Ausflüge, die auch gerne mal in einem karneval’schen Rhythmusfeuer ausufern können. Das Herz ihrer Musik scheint jedoch sehr im Sound der 1960er verloren gegangen zu sein. So darf man hier gerne auch Fela Kuti oder Jorge Ben als Referenzen neben James Brown bemühen. Selbst der Geist von Jimi Hendrix haben sie in ihre Musik aufgenommen und damit das absolute Highlight der Platten gebastelt indem sie „Fire“ des Gitarrengottes zu einem psychedelische Brazilian-Afro-Funk-Monster aufblasen, das zwischen Berlin, Bogota und Bologna noch viele Arsche diesen Sommer zu schwitzen und schwingen bringen wird.
Somit ist „Cultura Impura“ ein ganz, ganz pures Stück Musik geschaffen, das einen sehr globalen, warmen Sound die die Intensität ihrer Live-Shows auf ihre Platte ein weiteres Mal transportieren können. Besonders Tracks wie „Milk and Mangoes“ oder „Se da do“ wird man für die nächste Party im Sommer gebrauchen können.
Peter Hagen
die musik ist doch ganz chillig, wie reggae, oder?
ICh finde die Scheibe weniger chillig – mehr rhythmisch und tanzlastig.