Review

Selig: Von Ewigkeit zu Ewigkeit

Selig: Von Ewigkeit zu Ewigkeit

Review:

Rein faktisch betrachtet kann man die Historie der Band Selig sehr kurz halten: Seit der Gründung 1993 brachten sie drei Alben heraus, trennten sich nach vier Jahren, veröffentlichten zwei Jahre später die obligatorische Best-Of-CD und feierten im letzten Jahr ihr Comeback. Doch geht es hier nicht um irgend eine Band, sondern um Selig – um ganz großes Songwriting, einflussreiche Musik und einen der ausdrucksstärksten Sänger unseres Landes.

Mit ihrem letzten Album „Und Endlich Unendlich“ (2009) setzten die fünf Hamburger Jan Plewka, Christian Neander (Gitarre), Leo Schmidthals (Bass), Malte Neumann (Keyboard) und Stephan “Stoppel” Eggert (Schlagzeug) auf alte Stärken und führten nach zwölfjähriger Pause fort, was sie einst mit den Alben “Selig” (1994), “Hier” (1995)
und “Blender“ (1997) begonnen hatten. Ihrem Willen, sich nicht irgendeinem Zeitgeist zu unterwerfen, verleihen sie auch mit dem aktuellen Werk „Von Ewigkeit Zu Ewigkeit“ Ausdruck und Eindruck.

Die erfreuliche Botschaft vorweg: Die Ewigkeit rockt! Die neuen Selig-Songs haben eine wesentlich härtere Gangart ohne an Tiefe oder Melodik zu verlieren.

Die Eingangstür zu einer Welt „5.000 Meilen“ über der Erde öffnet sich mit geheimnisvoller Filmmusik, doch der Raum dahinter beinhaltet nur eine Botschaft: “Wir haben nichts zu verlieren und verlangen nach mehr.“ Gleich der erste Song rockt geradeaus los und beeindruckt mit exzellenter Gitarrenarbeit bevor ein „Freier Fall“ den Hochmut punkig auf den Boden der Tatsachen bringt.

Eher simpel gestrickt und mit Mundharmonika in Folk-Aroma getaucht kommt die „Wirklich Gute Zeit“ um sich gleich darauf „Von Ewigkeit Zu Ewigkeit“ zu schwingen und dieser Song – optimal als Vorab-Single genutzt – hat das Potential zur ganz großen Nummer.

Danach flacht das Album allerdings auch etwas ab. Klar, Stoppel peitscht die Sticks genial über sein Schlagzeug, Christian holt aus seinen Gitarren alles heraus was sie hergeben und Jan scheint sich gesanglich und textlich auszuprobieren. In Erstaunen oder Begeisterung versetzt das Gesamtergebnis nicht wirklich. Allenfalls eine Zeile wie “ich bin unendlich gelangweilt vom Gelangweiltsein” bleibt hängen.

Alles andere als langweilig, dafür unsagbar traurig sind die beiden Balladen am Ende der CD, Schlussakkorde in Moll, Tränen am Ausgang der Ewigkeit, die “dem Ende entgegen” kullern.

Und da ist es dann wieder, dieses Wissen hinter den Worten, die Größe von Selig, das Charisma von Jan Plewka. Und da bleibt dann nur wieder Verneigung vor dieser Band und Dankbarkeit für diese Musik.

Regina Sommerfeld



Trackliste:

1. Eingang / 5.000 Meilen
2. Freier Fall
3. Wirklich gute Zeit
4. Lass sie reden
5. Von Ewigkeit zu Ewigkeit
6. Dramaqueen
7. Hol mich hier raus
8. Hey Ho
9. Tausend Türen
10. Ich bin kein Gott mehr
11. Doppelgänger
12. Du fährst zu schnell
13. Ich hoffe es hat noch Zeit / Ausgang

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