Sepalot muss man schon aufgrund seiner Tätigkeit als Haus & Hofproduzent sowie DJ der Münchner HipHop-Gruppe Blumentopf nicht mehr großartig vorstellen. Als Plattendreher auf der ganzen Welt aktiv, wird der passionierte Beatbastler vor allem wegen seiner eklektischen Sets gebucht. Hier verfolgt er sein eigenes definiertes und ausgearbeitetes Ethos „Hip Hop & Beyond“ wie kaum ein anderer. Bastard Pop, Mash-Ups, (Neo)-Disco, Funk, HipHop, Electro, Soul – die Facetten seiner Sets sollten nun auch seine eigenen Produktionen beeinflussen. Vielfalt und Subtilität ist die große Stärke von „Red Handed“, seinem Solodebüt. Die Scheibe besticht durch die Raffinesse HipHop in eine zeitgenössischen Clubkontext zu pressen ohne in vorgegebene Schemata zu verfallen und sich dadurch zu selbst einzugrenzen. Eine Freiheit, die sich Sepalot nur nehmen kann, weil er so Detailverliebt arbeitet und nie aufgehört hat über seinen Tellerrand zu schauen bzw. zu hören. So setzt er bewusst NuSoul-Gesangsperlen auf futuristischen P-Funk-Exkursionen um gleichzeitig wieder jazzige, gebrochene Beats mit klaren Vocals aufzuhellen. Sepalot ist einer wenigen Produzenten in Deutschland der progressive Grooves mit sehr viel Seele füllen kann. Dazu verleugnet er nie seine Wurzeln und große Liebe für HipHop – auch wenn man es auf den ersten Blick nicht sofort dort einordnen würde. Gerade das macht „Red Handed“ auch so spannend. Mit den Gastbeiträgen von Miss Platnum, OlivierDaySoul, Esther, Blu, Saigon, Shuane & Frank Nitty (Frank’n’Dank) hat er auch die kongenialen Partner gefunden. Am positivsten empfindet man dieses starke Debüt als eine Art Gegenbewegung zu der fast nur noch auf Synthies basierende, aktuelle Underground & Charts-HipHop-Kompositionen. Sepalot hat den Funk, der vielen fehlt. Liebvoll auserlesene Samples und perfektionistische Beats verschmelzen gerne mit den elektronisch-pumpenden Basswelten. Das werden die Franzosen von ED BANGER aber aufhörchen – und ziemlich sicher auch viele mehr. Weil „Red Handed“ ist ganz weit draußen. Nur weil jahrelang irgendwelche Experten immer erzählt haben, dass Electro & House zuweit weg von HipHop wäre, muss das ja nicht so sein.
Peter Hagen