„Er ist ein kleiner, weisser, Ray Charles!“ sagt kein Geringerer als Taj Mahal über den Spross einer Musikerfamilie aus Austin/Texas. Und der Mann versteht was von Musik: Seth Walker swingt, rock’n’rollt, bluest und jazzt sich durch uramerikanische Musikstile, dass es eine wahre Freude ist. Wer den Blues mochte und ihn verloren hat im Niemandsland von Angeber-Soli und uninspiriert genudelten Standards, wer keine verzerrte Stratocaster mehr hören will und beim Anblick von Conchos auf Gitarrengurten Brechreiz verspürt, derjenige ist ein verlorenes Schaf, das Seth Walker wieder zurück auf die Bluess-Alley führen wird. Natürlich ist Walker mit seiner Gibson-Jazzmama mit den P-90 Dogears meilenweit weg von der Raffinesse eines Bonamassa oder der adoleszenten Wildheit eines Johnny Lang. Dieser Mann bringt – ohne den beiden genannten nahe zu treten – „the real thing“. Musik, so altmodisch, traurig, aufwühlend, optimistisch, zeitlos, sexy und packend, wie nur der Blues es ist. Sonderapplaus für den kongenialen Partner und Motor der Band: Pianist Stefano Intelisano, für die lyrische Abteilung in Walkers Bluesstore zuständig.
Jo Neckermann