Seu Jorge & Almaz: Dito
Review:
Sicherlich ist es der Samba, den man unvermeidlich und zu recht mit Musik aus Brasilien verbindet. Es wäre jedoch eine Farce wenn man wirklich glaubt, das wäre alles was dieses riesige und vielfältige Land zu bieten hat. Der Bossa Nova der 1960er und 1970er von wurde einst von Künstlern wie Jorge Ben oder Gil Gilberto dafür genutzt Rock, Psychedelica und Jazz hineinzumischen und im Zuge der Tropicalismo-Bewegung das ganze auch Regimekritisch zu revolutionieren. Liedermacher die Tradition und Progression mit sozialkritischen Texten versehen gehören zur brasilianischen Musikhistorie wie Pele zum Fussballfieber. Musikalische Integrität und Autonomie vom amerikanischen Plastikpop-Einfluss ist auch einer neuen Generation von Künstlern und Visionären wichtig. Zu ihnen gehört Seu Jorge und seine Band Almaz. Der 40jährige Sänger, Songwriter, Komponist und Musiker steht in einer Linie mit den Helden der 1960er Jahre.
Er selbst stammt aus ärmlichen Verhältnissen und hatte eine schwierige Kindheit in den Favelas von Rio. Die Musik brachte ihn nicht in den Teufelskreis von Drogen und Gewalt. Er lernte die Mitglieder von ALMAZ kennen, als er durch gemeinsame Freunde erfuhr, dass sie am Soundtrack zu dem Film „City of God“ arbeiteten. Fasziniert von der Experimentierlust und den Affinität für den Sound und die Freigeistigkeit der 1960er kooperierte er als bald mit ihnen. Sie interpretieren auf diesem Album Klassiker aus ihrer Heimat von Noriel Vilela oder Jorge Ben und wagen sich an Jazz, Soul und Funkmeisterwerke von Roy Ayers und Michael Jackson. Die markante, dunkle Stimme von Seu Jorge ergänzt die meist düstere Soundästhetik von Almaz zu einem bezaubernden Mix der hörbar von alten Bossa-Harmonien zu den Klangkosmos von Pink Floyd und The Doors getragen wird. Die charismatische, einzigartige Stimme des Südamerikaners bekommt so eine weite Fläche und viel Raum und strahlt wirklich außergewöhnlich vor Melancholie und einer beeindruckenden Selbstständigkeit. Die Interpretation des Elektro-Klassikers „The Model“ der deutschen Genre-Urväter von Kraftwerk ist das beste Bespiel dafür. Es ist anfangs verwirrend und wirkt orientierungslos. Nach einiger Zeit wird es zu einem bezaubernden Nachtfalter der seine Klangflügel um den Hörer legt. Schwermütigkeit kann doch so schön sein – auch wenn Portishead das einst für sich beanspruchte.
Peter Hagen







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