Sharon Jones, das kleine Energiebündel aus Brooklyn gehört zweifellos mit ihrer Kapelle The Dap-Kings zu den Zurückbringern der reinen und unverfälschten Soul Music. Hinter der 53jährigen Sängerin und ihrer inzwischen legendären Band stand von Anfang nicht nur eine Idee, sondern eine Ideologie der man folgen wollte. Sie wollten analog eingespielte Musik entstehen zu lassen, die den warmen Grundvibe der großen Soulwerke der 60er und 70er Jahre wiedergaben. Es ist jedoch nicht übermittelt ob diese Renaissance bewusst als Gegenbewegung gegenüber dem überproduzierten, sauber polierten R’n’B und Pop startete. Alles was zählt, ist dass die quirlige Dame mit der markanten Stimme und das Kollektiv an superben Musikern etwas in Bewegung gebracht habe, das scheinbar noch lange nicht zu Ende ist und inzwischen seinen Einfluss auf die großen Popproduktionen hat – wie man an den Radiorotationen und Preisausschüttungen für James Morrison, Joss Stone, Duffy oder Adele bestaunen kann. Nun melden sich die ungekrönten Pioniere und Genrekönige The Dapkings mit ihrer charismatischen Frontfrau mit ihrem vierten Album zurück.
Wie man durch affine Projekte wie Menahan Street Band oder El Michels Affairs aus dem Dunstkreis der Daptone-Studios um Mastermind Gabriel Roth in den letzten Jahren verstärkt hören konnte, geht man vom deepen Funk etwas mehr weg und manifestiert weiterhin den Style des Raw Soul – und baut damit auf die eigenen Stärken ohne für den Mainstream Kompromisse eingehen zu müssen. Utopisch wäre es zu denken, dass Sharon Jones mit ihrer Kapelle den gleichen Erfolg einfahren könnte wie Amy Winehouse. Immer wieder sollte man doch daran erinnern, dass Miss Jones es war, die diesen rohen Soul in seiner Reinform voller Authentizität zurück auf die Welt geschoben hat und nicht Amy – des halb ist es ihr zu wünschen, dass ihr neues Album „I learned from the hard way“ vermehrt entdeckt wird.
Wer diese Musiker einmal live auf einer ihrer unzähligen Marathontouren um den Globus erleben durfte, weiß welches unglaubliche Potential diese Kombination zwischen großartigen Bläsersektionen und passioniertem Gesang hat. Nicht umsonst fragten in den vergangen Jahren große Namen wie Mark Ronson, Hank Shocklee oder Al Green für eine Kooperation an. Auch das neue Album wurde wieder komplett von der Band eingespielt und entworfen. Aufgenommen hat man es wieder in den House of Soul-Studios von Gabriel Roth. Bosco Mann sorgte wieder dafür, dass man hier den typischen Sound der 60er entwickeln konnte und produzierte ein Album, dass vielleicht nicht das deepste der Band ist – jedoch den Soul zelebriert, wie es niemand sonst kann. Affine Bands wie The Sweet Vandals sind in den letzten Jahren entstanden und haben vieles von den Dap-Kings und Jones übernommen – jedoch hat niemand ein so starkes Branding wie die New Yorker Schrittmacher. Unvergleichlich und auf dem Zenit des Schaffens ist das neue Album wenn Songs wie „She ain’t child no more“ oder „Give it back“ Schmerz und Dramatik vereinen. Schlichte Nummern wie die Sam Cooke-Hommage „Mama don’t like my man“ haben genauso diesen einmaligen Charme wie typische Philly-Nummern wie „The Game gets old“ oder dem Instrumentalstück „The Reason“. Die Stärke dieser Gruppe liegt einfach darin, dass sie grundehrlichen, sehr schnörkellosen Soul machen. Das ist in jedem Ton mehr als viele die sich gerade im Popbusiness tummeln und etwas auf sich halten. Geht’s hier zurück zu den alten Werten von solider handgemachter Musik und Texte die man nachvollziehen kann? Definitiv – den das ist die Basis von jedem Song auf diesem wirklich exquisiten Soulalbum. Auch die die inzwischen „retro“ als Schimpfwort benutzt und kritisch oder genervt auf Vintage-Sounds reagieren, wird sich nicht dem Charm dieser LP verwehren können. Für alle für die Stax, Motown, Philly, Southern oder Aretha keine Fremdwörter sind, ist „I learnd from the hard way“ sowieso Pflichtkauf.
Peter Hagen
http://www.hhv.de/item_190968.html
Hier bekommt man schon Karten fürs Konzert in Berlin..
Gibts auch wieder ein Konzert in unserer Gegend?
War letzes mal sooooo schöööön
Tourdaten sind auf der Künstlerpage zu finden. Deutschland glaube ich nur drei Konzerte. Frankreich. England usw. mehr.