Auf gewachsen in Kansas, war Halblibanese Shawn Lee schon von früher Jugend fasziniert von den Blaxploitation-Sounds des schwarzen Kinos der 70er Jahre. Während sein Vater im Irish Folk verwurzelt war, interessierte sich der junge Shawn sehr für die Musik der schwarzen Mitbürger zwischen Gospel der Baptistenkirche und des Souls zwischen Motown und Stax, den er aus dem Radio kannte. Seine tiefe Verwurzelung zu dieser Musik versteckte der Multi-Instrumentalist nie und immer wieder betont er, dass genau das ihn antreibe, weiter Musik zu machen. Auf der kontinuierliche Suche nach einer Definition jener „Modern Soul Music“ führte ihn in viele musikalische Gefilde. Folk, Electro, HipHop, Jazz….die Einflüsse von Kontakten zwischen The Dust Brothers oder Jeff Buckley machten ihn zu einem er aktivsten Musikanten unserer Zeit.
Für viele (seiner Fans) war es nur noch eine Frage der Zeit bis er in London bei Gilles Peterson’s Talkin Loud Label unterschreiben würde. 1995 veröffentlichte er dann auch schließlich dort auch seine Entwürfe. Durch Peterson’s Netzwerk wurde er schnell zu einer bekannten Nummer im eklektischen Zirkel. Nebenher machte er seinem Namen als Mulitalent alle Ehre und wurde mit seinen „Ape Breaks“- Veröffentlichungen zu einem der meist-gesampelten Drummer seiner Zeit. Zusammenarbeiten mit Wall of Sound folgten nicht minder erfolgreich.
2004 folgte das Alben „Soul Vista“ und sein Instrumental-Projekt „Ping Pong Orchestra“ auf dem amerikanischen Vorzeige-Indie Ubiquity Records. Wie bei allem was Lee bisher anfasste eröffnete sich dadurch wieder eine neue Möglichkeit. Diesmal folgte ein Produktion eine Soundtracks für einen Film („Save, Angel, Hop“). Es folgten weitere Engagements und Features zu musikalischen Unterlegung von TV-Serien („Desperate Housewifes“) und Filmen („Ocean’s 13“). Werbe und Sportvideos nicht zu vergessen. Dazu konnte man seine musikalischen Kompositionen auf Games wie „Grand Theft Auto“ finden.
Nach dem „Soul Vista“ nun nach Japan auch in Europa und Amerika veröffentlicht wurde und großartige Presse bekam, folgten schnell Remixaufträge, u.a. „Exit Music“, einem Radiohead-Cover-Album oder Thievery Corporation. International durfte sich Lee vier Jahre nach der Erstveröffentlichung seines „Soul Vista“-Albums großartiger Reaktionen erfreuen. Er schien jetzt endlich angekommen zu sein. Alternative wie auch Mainstream-Musikmagazine bescheinigtem ihm plötzlich “das Potential zu dem genialen und freigeistigen Komponisten des Untergrunds“. Es folgten mehrer Veröffentlichungen auf Ubiquity als Solokünstler oder eben mit seinem Ping-Pong-Orchestra auf denen er immer wieder dokumentiert, dass er sich und seine Musik ständig verändern will und auch kann – ohne sein Branding zu verlieren. Hier flirten Soul und Electro so sehr mit Folk, dass es kaum wundert dass er in vielen Hitlisten von Liebhabern auftaucht.
„Soul in the hole“ ist seine tiefe Verneigung vor der klassischen Soul (Northern, Southern) Musik. Diese Hommage findet natürlich ganz im Lee’schen Style statt. Darondo & Nicole Willis unterstützen in hier stimmgewaltig und runden ein weiteres Shawn Lee’ Album ab, dass zu keiner Minute Kahlkühl inne hat, um auf den aktuellen Winehouse/Duffy-Zug aufzuspringen. Hier zeigt ein eigenwilliger, sehr kreativer Musiker, Sänger, Songwriter und Produzent wo seine Wurzeln liegen und wie er sie in die Jetztzeit transportiert.
Peter Hagen