Herr Kirmayer, der Macher von Tramp Records, hat eine neue Liebe. Falls es eine Frau Kirmayer geben sollte: Bitte nicht erschrecken. Sie ist zwar temperamentvoll, leidenschaftlich und exotisch – jedoch keine Frau. Das bayrische Label für den gepflegten 7inch-Fetischismus hat bisher eher mit deepem Funk, rohem Soul und knackigem Afrobeat auf sich aufmerksam gemacht. Nun kommt die neue Liebe des Labelowners hinzu: JAZZ. Für viele sogar eine logische Konsequenz wenn man im Rare Groove-Bereich agiert – beschränken sich die einige artverwandte Plattformen oft auf einen Schwerpunkt. Dass das oft eine kreative Beschneidung des Rosters bedeuten kann, zeigt das Gegenbeispiel Jazzman Records aus London – das bekanntlich seit Jahren nur die Einschränkung „rare“ erfolgreich durchzieht. Tramp Records starten einen neue Reihe an Jazz Dance-Singles. Den Beginn macht SINTO, eine Münchner Kapelle die in den 70er Jahren einige Veröffentlichungen hatte, die wie so oft nie an die breite Öffentlichkeit gelangten. 1971 wurde die Band von Hannes Beckmann gegründet und fokussiert das musikalische Konzept den geschmackvollen Groove einer Brückendisziplin zwischen Latin-, Afro-, Brazil- und Cubanjazz zu spielen. Zwischen 1977 und 1979 waren sie mit dieser wundervollen Musikmischung die Residentkapelle im legendären Domicile-Club und spielten einige Shows mit dem brasilianischen Gitarrengott Baden Powell. Die beiden hier auf der Single vertretenen wundervollen Songs „Man on the Banks“ und „Vamos Par Georgia“ stammen von dem 1978 veröffentlichten Album „Sonoh Negro“, dass auf dem kleinen Label Amayana veröffentlicht wurde, jedoch gänzlich unbeachtet blieb. Um so schöner, dass man diese Songs nun wieder bekommt. Fever!
Peter Hagen