Skitz: Sticksman
Review:
Bassculture – dafür steht der Schmelztiegel UK ganz stark. HipHop als eigenständige Kunstform hat es sehr schwer. Die starken Einflüsse von House, Electro, Drum’n’Bass oder Reggae nehmen sich Rap eher als Ergänzungstool, was bisher ja auch immer sehr spannende Hybride aus dem Underground bis teilweise in die weltweiten Charts und vor allem Club geschossen hatte. Aber wo sind die Perlen, die HipHop noch als Schwerpunkt und nicht als hinzugefügtes Teilchen vertreten? TY, der talentierte Mann mit der Hornbrille gehört sicherlich zu dieser aussterbenden Art. Und dann wird es auch schon sehr eng mit den Namen, die man hier bemühen könnte, denn UK ist einfach kein gutes Pflaster für HipHop. Hier will man die Fusion und die Übererfolge wie „Bonkers“ oder „Holiday“ von Dizzee Rascal zeigen es deutlich. Der Grime-MC arbeite lieber mit Basement Jaxx oder Armand van Helden als mit Premier oder dem Alchemist.
HipHop braucht also scheinbar diesen offenen und oft unbeschwerten Zugang zu Dance und Pop Music im Vereinten Königreich. Ob das so offensiv wie bei Rascal passieren muss, ist immer noch eine Frage des eigenen Geschmacks. Zweifelsohne hat gerade er damit sehr viele Ärsche in den weltweiten Tanztempeln bewegt, die DJs wie A-Track oder Diplo mit ihren Switch zwischen House, Dancehall und HipHop befeuerten. Auch ein sehr angesehner britische Artgenosse, Roots Manuva, liebt das spielt mit dem Bass und unüberhörbar trägt er seine tiefe Verbundenheit zu Reggae und Dancehall auf seinen Werken da.
Der englische Produzent Skitz hat bereits 1996, vor Manuva’s Riesenerfolg und „Witness“-Wahnsinn, mit ihm gearbeitet. Auf dem schändlich vernachlässigten „Blessed be the manner“ zeigte er das HipHop als Übergewicht in einer Produktion auch in den UK funktioniert. Es folgten Arbeiten für Million Dan, Rodney P oder MC Dynamite – bei denen er die Fahne des HipHop immer wieder zwischen die Fusionbahnen von D’n’B, Funky House, UK Garage, Grime etc. warf. Mit seiner Platte „Countrymen“ unterstrich Skitz noch mal seine Ambitionen im Jahre 2001. Auffälliger wurden jedoch seine Studioexperimente mit dem Bristoler Jungle-Jongleur DJ Die beachtet. Nun hat er sich jedoch wieder seiner Liebe, dem HipHop, besonnen und auf „Sticksman“ aktuelle, clubtaugliche Beats neben ein paar Produktionen gesellt, die die Bassculture nicht verleugnen – jedoch etwas reduzierter angehen. Dancehall, Raggamuffin’, Reggae und der heftige Erbe des Dub werden in seinen HipHop-Bauten verankert. Diese Mischung sollte eigentlich rechtschnell alle Freunde des satten Beatgewitters ansprechen. Besonders wenn man sich die Auswahl der MCs anhört, die hier geladen wurde. Da gibt einen Mörder-MC namens Buggsy, der in seinen besten Moment technisch und lyrisch wohl wirklich Eminem Paroli bieten könnte und auch definitiv an das junge Detroiter Bleichgesicht erinnert. Daneben kann man nur beglückwünschen das Kardinal Offishal aus Kanada vorbeischaut, weil dieser genau die gleichen Beats favorisiert die Reggae-affin, clubtauglich und oft auch poppig sein dürfen. Die alten Weggefährten Rodney, Dynamite oder Brotherman sind genauso mit dabei wie Masta Ace, Deadly Hunta oder Wordsworth. So liefert der Engländer ein starkes Album ab, das zum mindest mal in England die Tanzflächen mit richtig stattem Sound beschallen wird. Vielleicht erreicht es auch noch irgendwo anders noch Heads die feiern wollen, weil dafür ist das Album prädestiniert.
Peter Hagen
Tracks:
- 01. Intro
- 02. Struggla
- 03. Slaves
- 04. Born inna system
- 05. Don't cry
- 06. Rumble
- 07. Rebel stand
- 08. Left
- 09. Rainy day science
- 10. Requiem of the gods
- 11. Diamonds and gold
- 12. Never
- 13. Music is my life
- 14. Set you free
- 15. Plain oats
- 16. Wrequiem of the gods
- 17. Never
- 18. Born Inna system
- 19. Rainy day science
- 20. Struggla
- 21. Slaves
- 22. Struggla
- 23. Slavestep
- 24. Born Inna system
- 25. Set you free
- 26. Rebel stand
- 27. Diamonds and gold
- 28. Rebel stand
- 29. Left
- 30. Struggla (DIsco Mix)
- 31. Left
- 32. Rebel stand
Releases:
- Skitz: Sticksman, VÖ: 11. Juni 2010







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