Review

Sly Johnson: Complete Mythology

Sly Johnson: Complete Mythology

Review:

Alle Kraft voraus. Traditionell ist das Weihnachtsgeschäft nicht nur in den USA wichtig für den Handel. Da es der Musikindustrie auch nicht unbedingt gut geht und der allgemeine Verkauf von Platten sich gerade verlagert in die Nische der Liebhaber und Sammler gibt es immer mehr vorzügliche Angebote für genau diese Randgruppe unserer Gesellschaft (achso, ihr dachtet es wären die Muslims?).

Das amerikanische Label Numero Group hat sich seit Jahren zum Auftrag gemacht, die Archive jener Imprints zu durchforsten die es heute nicht mehr gibt und vor 40 Jahren ihr Blütezeit hatten. Schwerpunkte setzt das Label beim Ausgraben darauf, dass man ganze Labelkataloge wieder herstellt und vorstellt. Dabei haben sie bisher für viele Überraschungen gesorgt und so manchen Rare-Groove-Liebhaber glückliche Stunden besorgt.

Nun hat man sich dem Thema Sly Johnson gewidmet. Der afroamerikanische Sänger war nie so groß und bekannt wie James Brown, Otis Redding oder Al Green. Bis heute wurde er sehr wenig für sein Schaffen gewürdigt. Schaut man darauf, was er allein für das Label Twinight in den ersten 15 Jahren seiner jungen Karriere aufgenommen hat, verwundert es schon, dass dieser Mann mit solch einem Potential heute nicht mit den Szenegrößen und Helden der Soulära genannt wird. Bevor Johnson zu Hi Records nach Memphis wechselte, hat er Songs geschaffen, die heute gänzlich in Vergessenheit geraten sind. Numero Group hat nun ein großes Paket geschnürt, um daran zu erinnern. Auf 81 Songs kann man Johnson hören wie er und Soul sich zwischen den 1950ern und 1960ern verändert haben. Blues, Gospel, Rock’n’Roll….er versuchte sich überall. Er selbst hatte Jahre später mal sein so unterschiedlichen Schaffensphasen folgend erklärt: “I made my opportunities, but I never got the breaks I should have gotten. I was a jack-of-all-trades. More soul than Marvin, more funk than James. If I’d gone pop, you’d be talkin’ about me, not them. I rate right at the top, though I’ve been underrated all my life.”

Damit er nicht weiter unterbewertet und wenig beachtet bleibt gibt es nun ein Set von 6 LPs und 4 Cds namens “Complete Mythology“. Vielleicht kommt er nun so zu seinen Ehren. Das gestiegene Interesse an Soul-Figuren der Vergangenheit ist definitiv da was die Beispiele Candi Staton oder Spankey Wilson beweisen. Diese sehr umfangreiche Box-Set ist natürlich eine Rundrumversorgung für Fans und schon aufgrund des legitimen Preises nichts für Einsteiger. Aber Songs wie „Different Strokes“ oder „It is because I’m black“ sind unglaubliche musikalische Dokumente des frühen Schaffen von Herrn Johnson und müssen gehört werden.

Peter Hagen
.


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Connect with Facebook

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>