Dass inzwischen nicht mehr nur noch Schmusepop alla Eros Ramazotti und Zuccero aus Italien kommt, wissen Insider spätestens seit dem exquisiten Releases auf dem Funk-Imprint Record Kicks. Auch die Italiener werden wie viele andere Länder oft auf wenige Künstler reduziert – obwohl die hiesige Szene viel mehr hergibt. Natürlich ist hier immer eines vorausgesetzt: Man muss sich die Mühe machen und etwas unter die Oberfläche blicken!
Reggae ist wohl das Letzte was man aus Italien erwartet. Das Genrehighlight für den Monat Februar kommt aber genau dort her. Alessandro Soresini, Marco Zaghi, Gianluca Pelosi und der Südafrikanische Sänger Sean Daniel Martin machen seit 2006 miteinander Musik. Die Musikalität dieser Kapelle steht bei allen Songs auf dem neuen Album „Routes“ im Vordergrund. Die in Mailand beheimatete Band macht klassischen Roots-Reggae, der zu keinem Zeitpunkt altbacken oder verstaubt wirkt. Sie schaffen es einem traditionellen Sound eine frische Prise einzuhauchen, ohne dabei der digitalen Revolution zu verfallen. Man darf sogar soweit gehen und behaupten, dass genau darin die Faszination des sauber gespielten Grooves dieser Combo liegt. Hier sind aktuelle Dancehall-Riddims von Busy Signal oder Mavado genauso weit weg wie Karlsruhe von Kingston. Mit dem langjährigen Flirt von Reggae & Dancehall mit HipHop will man hier erst Recht nichts wissen. Die Soundästhetik erinnert mehr an Glanztaten von Burning Spears oder Horace Andy. Hochwertige, handgemachte Kompositionen treffen auf gekonntes Songwriting, welche gerne auch mal politisch bzw. sozialkritisch wird („To Them“). Diese Platte läutet den Frühling ein.
Peter Hagen