Eine Band die Soul, Jazz und Funk spielt muss live überzeugen und die eigene Energie auf das Publikum transportieren können. Nur so können sie an Reputation gewinnen. Wer live nicht überzeugen kann, hat es schwer sich hier durchzusetzen. Das schönste Beispiel sind die Sweet Vandals aus Madrid. Mit ihren Marathontouren und Live-Auftritten in ganz Europa haben sie sich einen exquisiten Namen erspielt.
Nicht wenige unterstützen das unbeschriebene Gesetz, dass wer auf der Bühne Gas geben kann, sich das auch in den Plattenverkäufen spiegelt. Die britischen Kapelle Speedometer schafft auf „Soul Groovin’ (live)“ ansteckend ihre Soundbotschaft zu vermitteln. Auf den 12 Tracks zeigen sie, dass sie inzwischen nicht mehr einfach nur eine Newcomerband oder Geheimtipp bleiben müssen.
Seit dem Jahre 2000 haben sie mit ihren 7inch, 10inch und 12inch-Veröffentlichungen auf Timmon, Kennel Klub, Soul Fire oder Freestyle Records immer mehr auf sich aufmerksam. Im letzten Jahr konnte man dann auch ihr Debütalbum „Four Flights up“ hören. Viele Nerds kritisierten etwas, dass beim Sound von Speedometer alles etwas kalkuliert, sauber und steril klingt. In der Tat ist dieses Kollektiv nicht auf den reinen DeepFunk mit seinen synkobierten, dreckigen Strukturen ausgelegt. Authentischen Groove zwischen Soul und Funk spielen Speedometer jedoch alle Mal. Die Faktoren Blue-eyed Soul und Latinfunk spielen hier auch gerne mit hinein. Wie das bei „contemporary funk“ so ist, orientieren sie sich an den 60ern und setzten jedoch bewusst einige Sequenzen in Bezug auf zeitgenössische Strömungen. Da wurde ihnen schon mal reinstes Kalkül vorgeworfen, als sie „Are you my woman?“ der Chi-Lites coverten, als dieses gerade von Beyonce für ihren Hit „Crazy“ weltweit in den Charts stand.
Letztlich ist das alles Pustekuchen, solange der Sound einfach gut ist. Funktionalität gehört auch dazu, liebe Kritiker! Diese Art von Funktionalität öffnet dem authentischen Funk & Soul eventuell so auch die Tür zu neuen Entdeckern – die so vielleicht gar kein Bezug zu der Musik haben, die einst die Meters und James Brown um die Welt schossen. Im Gegensatz zu den Kollegen von The New Mastersounds oder The Dap-Kings spielen sie lange nicht so dreckig und dynamisch. Der Soulfaktor überwiegt hier größtenteils den Funkschwerpunkten ohne diese verdrängen zu wollen bzw. zu können. In den Tracks wo die Hammandorgel, Bläser und die Congas (Bongos) dominieren, spielen Speedometer ihre Live-Dynamik gekonnt aus. Die Stimme von Sängerin Ria Curries ist im Gegensatz zu Soulsistern wie Alice Russell oder Dionne Charles etwas dünn, jedoch nicht minder passend. Das bereits bekannte „Work it out“ zeigt das wunderbar. Ein sehr gelungenes Live-Werk, dass zum tanzen animiert.
Peter Hagen