Review

Stereo Mcs: Emperor’s Nightingale

Stereo Mcs: Emperor's Nightingale

Stereo MCs: Emperor’s Nightingale

Wer war Anfang der 90er Jahre nicht “Connected” mit dem perfekten Pop-Song der Londoner Band STEREO MCS?! Alle sangen sie mit, alle tanzten sie dazu – es war der Fluch- und Segen-Hit.

Sie waren die ersten Briten, die erfolgreich Hip-Hop mit Dancehall fusionierten und viele Jahre zwischen präsenten Live-Gigs, Studioarbeit und zurückgezogenem DJing lebten. Das sechste und letzte Studioalbum “Double Bubble” erschien 2008. Jetzt melden sich die STEREO MCS zurück und fordern mit “Emperor’s Nightingale” die Interpretationswut ihrer Kritiker. Titel und Cover sind angelehnt an ein Märchen von Hans Christian Andersen über echtes und unechtes Singen.

Und etwas rätselhaft geht es auch musikalisch zu: Das neue Album ist ein Wechselbad der Gefühle, nicht Fisch und nicht Fleisch. Wer reinen Hip-Hop erwartet, wird enttäuscht sein. Wer die in der Pressemitteilung angekündigten Jam Sessions mit akustischen Instrumenten erwartet, wird enttäuscht sein. Nick Hallam und Rob Birch gehen Kompromisse ein, um dem Konsens zu dienen, um irgendwie allen zu gefallen. Ein britischer Blogger schrieb: “It has some serious dance beats but it is not quite as hip hop as I was hoping.”

Es beginnt mit einem dramatischen Instrumental als Ouvertüre und endet mit einer Reprise als Epilog. Dazwischen elektronische 5-Minuten-Suiten für die Dancefloors, Reminiszenzen an die Depeche Mode und New Order der 80er Jahre, die angebliche Abkehr von Grooves, Loops & Beats nicht wirklich erkennbar.

Doch es gibt Ausnahmen: Die Single “Boy” ist fast schon ein klassischer Storytelling-Song mit Stakkato-Klavier und Bläsern. Für die STEREO MCS sehr untypisch, aber sehr gut. “Sunny Day” erinnert am Anfang stark an “Paint It Black” von den Rolling Stones, wird danach aber sphärischer und düsterer. “Bring It On” ist dann der Kniefall vor dem Hip-Hop-Fan mit schnellem, monotonem Sprechgesang. Auffällig sind auch “2Cando”, wobei der Anklang einer Ballade durch experimentelle Sounds verdorben wird, und “Levitation”, das aus einem Reggae-Ansatz ein nicht uninteressantes Sound’n'Word-Pamphlet werden lässt.

“Emperor’s Nightingale” ist für die STEREO MCS eine Befreiung vom “Connected”-Status, ein philosophisches Ausbrechen und kreatives Abenteuer. Es bleibt fraglich, ob ihnen die alten Fans folgen oder neue Hörer gewonnen werden können.

Text: Regina Sommerfeld

Veröffentlicht am

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Connect with Facebook

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>