Die zurzeit steilste Großstadtmusik der Republik kommt aus – dem flachen Mecklenburg. Die Rostocker Elektropunks Tim Brenner und Faxe System bringen so eine Art Scooter mit Niveau, Jungmännerpoesie im Fahrradkurier-Drive, Harttanz-Hymnen für für audiolithisierte Raver. Keine Atempause, Geschichten werd’n gemacht! Fehlfarben für die neue Dekade! Das kommt mal treffend ironisch wie in „German Psycho“ (…ein Twitter-Account, aber Angst vor Spionage), mal vordergründig Aggro wie in „Haue“ (…ich reiß’ dir den Kopf ab und scheiß’ dir in den Hals). Oder aber in Nighthawk-Poesie wie „Nachtjacke“. Aber: mit chillen ist nix! Bei aller Nervosität und Metropolen-Hektik zeichnet Supershirt jedoch eine Menge Einfallsreichtum in Sachen Sound und Struktur aus. Von herkömmlichen Songstrukturen wollen wir im Falle von „8000 Mark“ nicht reden, das wäre wie der Vergleich von einem Hollandrad mit einem Fixie. Bremsen gilt nicht bei Supershirt, nicht nur in „Solang das Herz noch rast“.
Jo Neckermann