Review

Testiculo Y Uno: Hi-Hat Club Vol.1

Testiculo Y Uno: Hi-Hat Club Vol.1

Review:

Die Beatfrickler in Sachen HipHop leben seit Jahren in einer Parallelwelt, der es an Kreativität nicht fehlt. Inzwischen gibt es weltweit eine ganze Scharr an Produzenten die Instrumental-HipHop basteln, der keinen Rap oder Gesangspart braucht. Hier entstehen im oft beschworenen Untergrund, abseits von den massiv verwässerten HipHop-Definitionen im Mainstream, ganz eigene Klangwelten. Dort unten ist HipHop noch lebendig und schert sich einen Dreck um aktuelle oder zeitgenössische Strömungen im HipHop als Popkultur. Weil man sich hier sehr wohl bewusst darüber ist, dass diese Musik nie über den Status „Randgruppenbeschallung“ hinausgeht, ist er so frisch, so deep und so faszinierend.

Gerade in den letzten Jahren hat sich in dieser Parallelgesellschaft eine Menge getan. Junge und bisher relativ unbekannte Beatschmiede nutzen das Internet immer mehr um auf ihre Werke hinzuweisen. Der klassische MPC-Sound den Pete Rock, Lord Finesse, Diamond oder DJ Premier in den 90ern so etabliert hatten, muss es nicht immer sein. Die Hybriden mit Electro wie bei dem Berliner fLako oder des Exil-Holländer Jneiro Jarnell aka Dr. Who Dat? sorgten zu recht für Wirbel in der Blogosphäre und darüber hinaus gemacht. Etwas näher am traditionelleren Ansatz haben kürzlich der Kalifornier DJ Exile oder der Detroiter 14TK bewiesen, dass HipHop sich eigentlich nicht auf die kommerziell erfolgreichen Produzenten wie The Neptunes, Timberland, Dr.Dre oder Kanye West reduzieren lassen muss. Bisher haben sich Produzenten wie Kid Sublime, Dorien Concept oder Prefuse73 nur in Insiderkreisen einen Namen gemacht. Aber genau deshalb ist diese Musik auch so unbelastet und herrlich kompromissfrei.

Das Indie-Label Stones Throw Records beweist seit Jahren, dass man durchaus auch die rein instrumentalen Soundentwürfe, in einem gewissen Rahmen, erfolgreich unter die Leute bringen kann. Madlib’s Beatkonductor-Reihe ist das wohl beste Beispiel. Die Beatskizzen des verstorbenen Produzenten J.Dilla sind weitere Belege dafür, dass es Produzenten immer noch schaffen den Hörer auf eine Reise mitzunehmen.

Die Kölner HipHop-Architekt Hulk Hodn (Ja, das ist kein Schreibfehler) und Twit One haben nun solche Skizzen als Beattape zusammengetragen. Unter dem Pseudonym Testiculo & Uno bescheren sie dem HipHop-Fan ein feines Stück Musik aus Beats, Cuts und Samples. Twit One zeigt hier eine weitere Seite seines Schaffens. Er war Anfang des Jahres bereits verantwortlich für den Sound der Sängerin/Spoken Word-Künstlerin Fleur Earth. Hodn wird in HipHop-Kreisen für seine Teamarbeit mit MC Retrogott geschätzt. Dort zeigte er schon leidenschaftlich, wohin seine Frickelei führt. Jazz, Soul, Funk und Reggae werden hier verarbeitet und das Resultat kann sich mehr als sehen lassen und fleht förmlich danach deinem iPod gefüttert zu werden und als Vinyl in deinem Plattenschrank zu stehen.

Peter Hagen


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