In den letzten zwei, drei Jahren hatte man oft das Gefühl, dass es fast wöchentlich eine neue Band gibt die sich der Materie Funk/Soul/Afrobeat widmete. Ein kleines, aber feines gesteigertes weltweites Interesse an der Musik aus den 1960er und 1970ern war zu notieren und dank einiger kleiner und alternativer Plattformen wie Freestyle Records, Daptone Records oder Record Kicks konnte man auch regelmäßig davon erfahren und Platten kaufen.
Keine Neulingen sind The Baker Brothers aus England. Sie spielen seit 10 Jahren so ziemlich jedes relevante Festival und jeden gescheiten Club bis an den Siedepunkt. Questlove von The Roots hat ebenso schon öffentlich seine Zuneigung bekundet wie die üblichen Funkgrößen und Szenehelden wie Keb Darge, Florian Keller, Scruff oder Muro. Mit alten Recken wie Sly & Family Stone, Average White Band oder Kollege Snowboy haben sie schon gearbeitet.
Nun sind sie mit dem siebten (!) Album am Start und wenn man nicht wirklich Qualität hat, würde man auch nicht auf diese stattliche VÖ-Zahl kommen. „Time to testify“ hat auch weiter nichts am grundsätzlichen Soundethos der Band verändert und unterstreicht ihre Art den Funk zu spielen. Dabei haben sie durchaus Pop-Attitüde und einen Hang zum rockigen Part. Dabei wirken sie nie altbacken sondern verwunderlich frisch. Explosive Drums, markante Riffs und massive Bläser ergänzt man hier gewohnt und gekonnt mit einem eigenen Gesangspart. 16 Stücke sind hier zu finden die durchweg grooven und wie „Make a move“ oder „Once I had a friend“ wirkliche Hits für die Tanzfläche sind. Auf die Becker-Brüder ist weiterhin Verlass. Unspektakulär, solide und wirklich gut.
Text: Peter Hagen