Review:
Dieser Sommer ist eine wahre Freude bzw. Funk-Explosion. Was hat dieser Retrohype für eine Dynamik bekommen?! Was ist dass nur für ein Phänomen? Überall auf der Welt spießen Partys aus dem Boden und werden auch gut besucht. Rare Groove ist wieder da. Speziell FUNK (sprich euphorisch: PHONK) hat einen riesigen Zuspruch. Warum analysieren wenn man sich einfach nur darüber freuen kann, wenn junge (und junggebliebene) Partypeople sich für die schwarze Musik der 60er (und auch teilweise 70er) so begeistern können?! Jahre lang gab es weltweit ein kleines, aber feines Netzwerk von Diggern die als Einzelkämpfer in ihrem Segment fungierten. Keb Darge, DJ Muro oder Florian Keller können ein Lied davon singen. Nun scheint es eine Wende gegeben zu haben. Die Nachfrage nach den alten, guten Grooves von damals ist gestiegen. Das Volk will es wieder roh und blutig. Sollen sie haben:
Die Deep-Funk-Combo THE BAMBOOS aus ,,Down Under” hat sich vom anderen Ende der Welt in die Herzen der Rare Groove-Jünger gespielt. Schon ihre ersten zwei Singles machten sie in den Insiderkreisen (Russ Dewberry, Kenny Dope, Mr.Scruff, Keb Darge) zu den wahren Helden der Retro-Bewegung. Neben dem gefeierten Dapkings sind sie wohl auch die populärste – obwohl es in der Zwischenzeit so viele sehr gute Band und Kapellen gibt, die sich auf den Sound der JBs, den Meters oder den frühen Werken von Kool & The Gang.
Nach ihrem zu Recht gefeierten, brachialen Debüt ,,Step it up” aus dem Februar 2006 sind sie nun mit einem weiteren Album am Start. Handwerklich und soundtechnisch ist hier alles in Perfektion gespielt, arrangiert und produziert. Das steht außer Frage. Das Rohe, was im Albumtitel angekündigt wurde findet jedoch nur bedingt statt. Die Band verliert keines Wegs ihren Drive. Sie hat immer noch ihren unverkennbaren Vibe. Jedoch hat man nie das Gefühl das ,,Rawville” vielleicht zu viel wollte bzw. sich zu weit von ihrer ursprünglichen Basis entfernen. Der Flirt mit HipHop (,,Get in the scene” feat. Omega Watts) hat Blockparty-Charakter und bereichert die Scheibe genauso wie das jazzigere ,,Bring it home” mit der Soulröhre Alice Russells, die ja bekanntlich auch bei TruThoughts ihre musikalischen Visionen veröffentlicht. ,,The Witch” und ,,Pussy Footin’” wird dann allen Fans des klassischen DeepFunk mit ,,super-heavy, raw and upfront drum-break-driven grooves” – wie man The Bamboos live und von Platte kennt und liebt, geholfen. ,,My Baby’s Cheating” macht dann gleich dort weiter und mit einer kraftvollen Soul/Blues-Einlage von Fallon Williams das Highlight der Platte aus. Bei ,,I don’t wanna stop” leuchtet der Einfluss von der Queen Sharon Jones ganz hell und deutlich auf die Bamboos – und deshalb kann man diese RawSoul-Nummer nur lieben. Schön aus dem Rahmen fällt die Coverversion von Max Sedgley ,,Happy” und zeigt dass THE BAMBOOS sich nicht auf DeepFUNK reduzieren lassen wollen – bei diesem Werk fällt es auch nicht schwer, dass zu tun.
Peter Hagen (Jazzriots)
Trackliste:
| 1. | The bamboos theme | |
| 2. | Bring it home | |
| 3. | Get in the scene | |
| 4. | The witch | |
| 5. | My baby's cheating (I sure got the feeling) | |
| 6. | I don't wanna stop | |
| 7. | Head in the clouds | |
| 8. | Happy | |
| 9. | Rockin' it | |
| 10. | Pussy footin' | |
| 11. | Rawville | |
| 12. | Tongan steel |
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