Review

The Dynamics – Version Excursion

The Dynamics - Version Excursion

Das Coverfieber schlägt wieder um sich. Nachdem Mark Ronson hochprozentigen Interpretationen von grossen Pop und kleinen Indie-Rock-Klassikern durchaus bewundernswert zum Besten hab, folgt erst letzte Woche auf Ubiquity der umtriebige Shan Lee und sein Ping-Pong-Orchestra (das heisst wirklich so!). Der machte sich ungeniert an die Welterfolge von Justin Timberlake oder Outkast heran. Und man staunte nicht schlecht – wie diese Herren ihre Interpretationen definierten. Weiss man zumindest bei diesen beiden Helden, dass sie eigentlich nicht aus Mangel an Kreativität zu Covern greifen müssten. Hier und da konnte man wirklich sich verneigen, was diese Herren schufen. Noch größer war meine Begeisterung letzte Woche als TruThought Records eine limitierte 7inch der HOT 8 BRASS BAND unter das kleine Volk an Vinylnerds wurf. Sie verjazzen „Sexual Healing“ von Marvin Gaye – als hätte es nie zuvor etwas Selbstverständlicheres gegeben. Natürlich gibt es hier, wie auch auf der „Version Excursion“ von THE DYNAMICS keine plakativen Kopieraktionen. Das Original wird mit Respekt behandelt und der eigene Charme darüber gelegt. Großes Kino erwartet den Hörer wenn es nun endlich den lang erwartete 7inches-Backkatalog dieses Multikulit-Kollektives auf CD/LP gibt. Innerhalb kürzester Zeit haben sich die Musiker um den französischen Produzenten PATCHWORKS in die Herzen, nicht nur von Reggae-Liebhabern gespielt. Ihre bisher veröffentlichten Singles haben mehr als Aufmerksamkeit bekommen. Die Nachfrage nach Nachschub von dieser Band ist kontinuierlich gestiegen. Der Sound der Gruppe aus den USA, Frankreich, Kamerun und England besticht vor allem durch ihre Definition von beseeltem Reggae, der vor Spielfreude nur so sprüht. Auf dem Debüt wird alles gecovert was die einzelnen Bandmitglieder ihre Inspiration nennen. Das geht es schon mal richtig quer durch Beet. Das gibt es „7 Nation Army“ von den White Stripes, den alltime-Soulklassiker „Land of the 1000 Dances“ (Wilson Pickett) und den etwas weniger bekannte, aber nicht minder schönere „90% of me is you“ (Gwen McGrae) neben Curtis Mayfield’s „Move on up“. Erstaunlich sind die Bearbeitungen von Led Zeppelin’s „Whole lotta love“ oder Herbie Hancock’s „Rockit“. Die Dynamics haben sich selbst auferlegt keine Grenzen zu kennen und zu bespielen. Selbst bei Madonna’s Gassenhauer „Music“ machen sie eine fantastische Figur. Hier scheint die Sonne durch 15 Tracks. Davon konnte man nicht automatisch ausgehen. Das Covern hat im Reggae seit vielen Dekaden seine Tradition, jedoch oft sehr plakativ bis peinlich. Die Dynamics beweisen dass es auch anders geht.

Peter Hagen (Jazzriots)

Veröffentlicht am

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Connect with Facebook

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>