Wer jetzt das alles aussagende Plattencover nicht gesehen hat, dem sei hiermit gesagt, dass “The Final Solution” nichts mit Antisemitismus, dem Holocaust oder dem zweiten Weltkrieg zu hat. Aber so was von garnicht. Hier geht es eher um einen groovigen Bass, derbe Gitarrenriffs, funky Chords, pompöse Streicher und Bläsereinsätze und natürlich um ein Übermaß an SOUL. Es geht um Blaxploition-Filme bzw. um die Musik zum Film.
Die Gruppe The Final Solution von der Westside in Chicago hat wohl gerade mal einen Rohschnitt eines Scripts, da haben sie angefangen den großen Künstlern der Zeit (Mayfield, Hudson, Jones, Hayes) nachzueifern. Sie wollten ein Teil dieses großartigen Genres der schwarzen Filmmusik sein. Dass der Film nie entstand und der Soundtrack dadurch natürlich nie einer breiten Masse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte, wusste man natürlich nicht. Allein der Gedanke, einen großen Soundtrack für den Blaxplotain-Movement beizusteuern, beflügelte sie hörbar. Da gibt es alle bekannten Zutaten eines Soundtracks aus dieser doch schon sehr faszinierenden Epoche, die soviel beeinflusst hatte. Streicher, Bläser und die funky Gitarre. Man vermisst hier nicht und es leuchtet eigentlich, wie so oft, warum die diese hochwertige Scheibe erst jetzt entdeckt wurde.
Die neuen Helden des Vinyldiggin’, das amerikanische Label Numero Group, soll auf den verschollenen Soundtrack aufmerksam geworden sein, als sie der Geschichte hinter einer Single auf Twinight Records nachgegangen sein sollen. Wer so akribisch und hartnäckig recherchiert wie diese Jäger der verlorenen Vinylschätze, der wird scheinbar wertvoll belohnt. Der Fund ist eine Bombe. Die musikalische Umsetzung der Geschichte einen Dealers der zum Prediger wird – braucht, wie in diesem Genre gewohnt, dramatische Auswüchse und viel Soul. Das haben die Freunde Banks, Brown, Darrow & Kennedy superb umgesetzt. Die Gesangseinlagen auf den Kompositionen sind oft etwas schwach auf der Brust und wirken hier und da etwas unprofessionell. Sie sind aber auch, die den Soundtrack den Geruch von Seltenheit und Schönheit vermitteln. Nach dem Tod von Großmeister Issac Hayes kann man das durch aus als Post-Blax-Homage an den Shaft-Chefstyler sehen, auch wenn es an der finalen Genialität und Souveränität von „Shaft“ oder „Coffy“ fehlt. Entdecken ist hier jedoch Pflicht – keine Frage. Da hier kann man nur mögen.
Peter Hagen