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The Hi-Fly Orchestra: Mambo Atomico

The Hi-Fly Orchestra: Mambo Atomico

Als in den 60er Jahren die Latino Community in den USA immer mehr anwuchs (Florida & New York), entstand eine der spannendsten, musikalischen Fusionen der Geschichte. Die traditionellen Klänge der Heimatländer (Puerto Rico, Kuba, Kolumbien, Venezuela) der Migranten vereinigten sich erst mit dem Cool Jazz und dem Hard Bop um danach den Soul und den Funk sowie Rock der zeitgenössischen Strömungen aufzunehmen. Der „Latin Groove“ war geboren und vereinte unter diesem Banner Kreativität, Austausch und ein neues Selbstvertrauen der Minderheit. Die Helden der 60er und 70er Jahre des Barrio Jazz heißen Ray Barretto, Willie Colon oder Hector Lavoe. Ihr Werk waren Meilensteine und haben bis heute ihre Faszination nicht verloren. Natürlich gibt es immer noch viele Musiker die sich davon inspirieren lassen. Den Drang, sich nicht einem Genre unterordnen und völlig frei und doch verwurzelt tätig sein zu wollen ist vielen heute gänzlich unbekannt.

Eine Gruppe namens „The Hi-Fly Orchestra“ aus München hat sich dieses Thema sehr zu Herzen genommen und auf ihrem zweiten Album grandios umgesetzt. „Mambo Atomico“ atmet den Schmelztiegel aus Bossa Nova, Boogaloo, Salsa und so vielen weiteren, authentischen Klängen der Nuyorcians. Des weitern nimmt man noch brasilianischen Elemente mit hinein, dessen es jedoch nicht mehr bedurft hätte – jedoch bestimmt nicht stört. Dieses Album ist so sehr reichhaltig an Musik aus dem mütterlichen Schoss des Jazz. Ist man den zu oft gehörten Banalitäten zwischen Latin, Brasil und zeitgenössischen Beats inzwischen oft überdrüssig – ist diese Scheibe wie ein wiederbelebtes Element, welches hierzulande noch relativ wenig bespielt ist bzw. oft nur in kleinen Funken an die Oberfläche springt. Die hervorragende Live-Band um Gründer Jerker Kluge und Florian Reidl weiss ganz genau, wie man den Hörer mit musikalischen, anspruchsvollen Groove fesseln und in den Bann bzw. auf die Tanzfläche ziehen kann. Sie switchen gekonnt, ja fast schon routiniert zwischen klassischen Covermaterial und eigenen Kompositionen. Da schnuppern sie sogar durchaus mal an Jimi Hendrix oder verkaufen kann unverblümt eine kleine, sehr feine Hommage an Brasilikone Jorge Ben. Zwischen ihrem perfekten Zusammenspiel, den Harmonie und Experiementen scheint soviel Sonne, dass wir es hier definitiv mit einem Herbsthighlight zu tun haben. Spanish Harlem in der bayrischen Hauptstadt – Exzellent, weil es einach mit Halbherzigkeit nichts am Hut hat.

Peter Hagen

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