Schon bei den ersten Tönen von ,,Break Glass”, das neue Album der POLYRYTHM ADDICTS weiß man, welche Richtung den Hörer erwartet. Wer Mitte der 90er Jahre HipHop für sich entdeckt bzw. gehört hat, weiß wie der Beat damals gebaut wurde. Spinna, ein inzwischen über die Grenzen (des HipHop)hinaus bekannter New Yorker DJ, hat damals für ein ganze Scharr an Underground-Mcees wie den noch unbekannte Eminem, Kriminul, Mr.Complex, Unspoken Heard, L-Fudge oder J-Live die für diese Zeit charakteristischen Beats geschustert. Mittlerweiler ist Spinna universeller in seinen Produktionen. Seine Liebe zu House Music hat sein internationales Ansehen noch vergrössert. Sein Wurzeln vom HipHop hat er jedoch nicht vergessen. Vielleicht auch aus dem Grund heraus, dass es viele Hörer immer wieder auf das ,,Altbewährte” zugreifen wollen. Im Gegenzug muss sich Spinna die Kritik gefallen lassen, analog zum aktuellen DJ Jazzy Jeff Album, dass er nichts Neues probiert. Viele sprechen aber auch immer wieder, zu Recht, respektvoll davon, dass genau diese Produktionen die wichtige Balance im HipHop bringen. Der kreative Kopf aus Brooklyn weiß natürlich wie man die Wurzeln pflegt. Klassisches Material findet man diesmal en Masse auf dem Comeback Album der ,,Supergroup” um Spinna. The Polyrhythm Addicts sind also zurück. Bereits 1998 & 1999 war ihr erstes Zusammentreffen in kleiner, aber feiner Auflage erschienen und hat viel Anklang gefunden. Differenzen mit Apani B Fly haben genauso zum Ruhestand der Gruppe geführt, wie ein längerer Gefängnisaufenthalt von Shabbam Sahdeeq. Wiedervereint, gestärkt durch die Retrowelle von Nas bis Little Brother, wollen sie nun mit dem neuen Album ,,Break Glass” zurück in Spiel kommen. Neu im Boot ist das Nachwuchstalent Tiye Phoenix. Neben den beiden begnadeten Storyteller-Mcs Complex und Sahdeeq, soll sie den ,,Lauryn Hill-Effekt” mit einfließen lassen. Böse Zungen spotten zu unrecht davon, dass Phoenix die marktstrategische Richtlinie sei, die augenblicklich für Verkaufszahlen wichtig sei. Die Qualität und Intensität des Albums schließen jedoch den ,,Fergie Effekt” (Black Eyed Peas) aus. Eher erinnern Tracks wie ,,Thoughts of you” oder ,,We Know” an den neosoulischen Ansatz von FLOETRY oder LUCY PEARLS. So ergänzt sie sie mit ihren Skills ein solides HipHop-Album, dass sich sonst auf keine populistischen Kompromisse einlässt. Die Frische von damals ist aber schon etwas verloren gegangen – vor allem bei den Raps. Das können dann auch die hochkarätigen Gäste wie Phonte, Planet Asia, Large Professor oder Pharaohe Monch nicht wett machen. DJ Vadim’s Supergroup ‘One Self’ bot hier eindeutig mehr zu entdecken – wer einen Vergleich braucht.
Peter Hagen (Jazzriots)