Die 1960er Jahre waren das Jahrzehnt der afroamerikanischen Revolution in den Vereinigten Staaten. Die Bürgerrechtsbewegung hatte ihren Höhepunkt, die Black Panther Party wurde gegründet und der Begriff „Black Power” tauchte zum ersten Mal auf. Die Märsche nach Selma und Washington zeugten vom gestärkten Selbstbewusstsein der schwarzen Bevölkerung Amerikas. Segregation und Diskriminierung waren Alltag. Die Musik spielte für die afroamerikanische Bevölkerung seit ihrer Versklavung eine große Rolle, war sie doch die einzige Möglichkeit, ihre Gefühle in rauer, echter Form auszudrücken. Genau für diesen rauen Sound zeichneten sich die „Soul Brothers” aus. Zwischen 1968 und 1974 gehörten sie zu den erfolgreichsten Funk/Soul-Bands in Houston, Texas. Zu dieser Zeit schossen viele Teenager Funk- und Soulbands von Kalifornien bis Maine aus dem Boden. Die meisten hatten jedoch nur auf lokaler Ebene Erfolg und nur selten schafften sie es in die „R´n´B”-Charts. Trotzdem fanden sie es cool, wenn sie ein paar hundert Singles mit ihrem Namen rausbrachten. „The Story of” vereint nun die besten Stücke der Soul Brothers, die auf 7” releast wurden. Überwiegend klassischer Deep Funk, durchsetzt mit Hammond Orgel und knackigen Bläsern. Doch die Soul Brothers wären nicht die Soul Brothers, könnten sie keine Balladen singen. „I saw forever my love” ist Romantik pur mit Anleihen an Philadelphia und Willie Mitchell. Auch das Politische kommt nicht zu kurz, wenn Sänger Henry Boatwright in „Find his way back home” von einem jungen Soldat erzählt, der in den Vietnam-Krieg geschickt wird und auf eine Wiederkehr hofft. Boatwright lieh den Soul Brothers nicht nur seine Stimme, sondern glänzt auch an der Flöte und am Saxophon.
Text: Michael Ortner