Review

The Souljazz Orchestra: Manifesto

The Souljazz Orchestra: Manifesto

Afrobeat an allen Ecken. Herrlich zu sehen, dass das Erbe von Fela Kuti so viele Musikanten begeistern kann wie lange nicht mehr. Ob es eine weitere halbgare Ausgeburt die auf den Zug des Retro-Wahnsinns aufspringen musste, kann man sogleich verneinen, wenn es um das Souljazz Orchestra geht. Die Multikuli-Kapelle aus Ottawa / Kanada besteht zwar seit inzwischen sieben Jahren und hat einen vorzüglichen Ruf als Live-Combo, jedoch hat eine breitere Öffentlichkeit sie erst seit ihrem Album „Freedom no go die“ aus dem letzten Jahr etwas mehr wahr genommen. Was immer noch zu wenig erscheint, hört man den Groove dieser Band. Gerade in Großbritannien gibt es zur Zeit scheinbar monatlich eine Band, die dem Rest zu zeigen scheint, wo der Soundhammer hängt. Die Zeiten für Fans des authentischen 60s-Sound stehen 2008 besser denn je. Die Antibalas aus New York haben ja schon sehr progressive Afrobeat-Entwürfe in den letzten Jahren vorgelegt. Die Kanadier zeigen auf „Manifesto“ dass sie die polyrhythmischen Klangwelten zwischen Jazz, Funk, Soul und eben Afrobeat sehr gut beherrschen und studiert haben. Nicht irgendwie so haben sie die Referenzen mit den Dap-Kings, Soul-Ikone Etta James oder Femi Kuti, dem Sohn des Erfinders des Afrobeats, die Bühne bereits geteilt haben. So zeigen sie auf diesem, etwas klein geratenen Album, dass sie die ganze Bandbreite beherrschen, scheinbar jedoch eine tiefe Liebe zu der Musik hegen, die Ende der 60s aus Nigeria in die Welt schwappte. „Paraside“ dokumentiert das eindrucksvoll und strotzt vor Energie. Selbst die ruhigen Töne („Grasshopper & Toad“) wissen durch ihr Intensität zu überzeugen. Und wie es sich für Movement-Music gehört, hat auch „Manifesto“ durchaus den Anspruch sozial bzw. gesellschaftskritische Botschaften zu kicken („State Terrorism“). Dieses Album zeigt wie man leidenschaftliche Musik von der Bühne auf Plastik transportieren kann. Hier paaren sich Weltmusik mit satten Funk und einigem mehr – weil an musikalischem Reichtum fehlt es hier nicht.

Peter Hagen

Veröffentlicht am

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