Review

The Whitefield Brothers: Earthology

the Whitefield Brothers: Earthology

Drastischer und ehrlicher könnte ein Lexikoneintrag der Poets of Rhythm nicht klingen: „weltweit stilprägende Rarefunkband aus München“. Genannte dienen mit ihrem – hauptsächlich analog aufgenommen – Sound seit 1991 maßgeblich als Schablone für alle modernen Spielarten des „Raw Funk“. Mit Releases von Daptone bis Ninja Tune, Kollabos mit den Stereo MC´s und einem Dutzend Pseudonymen festigten sie ihre Reputation in der Funk- und Soul-Szene.

Nach fünfzehn Jahren musikalischer Reise um den Globus kehren die Poets mit ihrem Alter Ego „The Whitefield Brothers“ zurück und legen mit „Earthology“ ihr neues Album vor, das einen transkontinentalen Bogen schlägt, von Afrika über den Orient bis nach Asien und zurück. Die „Weissenfeldt Brüder“, Jan und Max, zelebrieren auf ihrem follow-up den Funk in neuem Charaktergewand. Obgleich der gängigen Besetzung aus Drums, Gitarre, Bass, Keyboards und Bläser, klingt ihr Sound multiethnisch, exotisch und noch einen Tick psychodelischer. Mit der Afro-Jazz-Nummer „Sad Nile“ spielen sich die Whitefield Brothers ins musikalische Gedächtnis Lagos´, Fela 2.0 sozusagen, während „Ntu“ ein perkussives Dschungelgewitter mimt, dass man geographisch nicht einzuordnen wagt. Der Rest von „Earthology“ ist zwischen afrikanisch-arabischer (Poly)-Rhythmik und fernöstlicher Instrumentierung (Xylophon, Flöte) verortet, die sich wie ein tropischer Regenschauer über das Grundgerüst ihres improvisierten Rare Funk zieht.

Als Gäste auf dem Album reihen sich neben Worldmusic-Spezialist Will „Quantic“ Holland, die Rapper Mr. Lif, Percee P, Edan und Musiker anderer – nicht weniger bekannter – Soulkapellen (Dap Kings, El Michels Affair). Das Resumée fällt kurz aber deutlich aus: The Whitefield Brothers stehen für moderne Funkmusik, wie sie 2010 klingen sollte. Zu guter Letzt noch ein Satz zum großartigen Cover: Das Artwork stammt vom britischen Künstler Lewis Heriz (http://www.lewisheriz.com/), der schon auf der Ghana Special Reihe auf Soundway Records sein Talent zum besten gab.

Michael Ortner

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